Mittwoch, 21. Juli 2021

John Sinclair 2243 - Jenseits der Qual - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erschienen am 06.07.2021
Cover von Timo Wuerz

Das Wimmern drang nur gedämpft durch den derben Stoff des Knebels, dessen Riemen sich tief in die Mundwinkel des Mädchens gruben, sodass es aussah, als würde es grinsen.
Merkwürdig, dachte der Engelmann. Wie nah doch Freude und Schmerz, Lust und Qual beieinanderliegen.
Tränen, dick und salzig, quollen zwischen den zusammengekniffenen Lidern hervor. Sein Herz schlug vor Erregung schneller. Hastig beugte er sich vor und nahm den Tropfen mit der Spitze seiner Zunge in Empfang. Als er sich aufrichtete, bemerkte er, dass das Mädchen die Augen geöffnet hatte und ihn anstarrte. Der Blick ließ keinen Zweifel daran, was es empfand.
Münder logen. Sehr oft sogar. Augen dagegen nie. Sie spiegelten stets die wahren Empfindungen wider. Furcht und Agonie. Sowie die stumme Bitte um Erlösung.
„Gräme dich nicht, Baby Grace, bald hast du es überstanden“, wisperte er. „Nur noch wenige Stunden, und du bist unsterblich. Auf ewig konserviert. Leidest weder Hunger noch Schmerz. All dies wirst du mit meiner Hilfe überwinden. Ich bringe dich dorthin, wo ewige Glückseligkeit herrscht. Jenseits der Qual!“

John Sinclair und Suko werden zu einem ungewöhnlichen Tatort beordert. Der Körper eines Mädchens wurde wie ein Kunstwerk drapiert und mit kryptischen Hinweisen versehen. Währenddessen ist Bill Conolly bei der weißen Hexe Amy Iman Zayed um bei ihr für einen Bericht zu recherchieren. In ihren Kater Fidel fährt der Geist von David Bowie und Amy kann über ihn mit Bowie kommunizieren. Dabei kommt es zu Überschneidungen und Hinweisen zu dem Mordfall in dem Sincalir gerade ermittelt. Die Wege führen nun Amy, Fidel, Conolly und Sinclair zusammen und auf die Spur eines fanatischen Bowie-Fans, der zwei weitere Opfer zur Vollendung seines perversen Kunstwerkes bereits gefangen hält. Doch hinter alldem steckt viel mehr, als zunächst vermutet…

Das auch die abstrusesten Ideen und eine unbedarfte Bemerkung im John-Sinclair-Night-Talk zu einem hervorragenden Roman führen können, zeigt der vorliegende Band. Als Night-Talk-Moderator Hennes Bender und Sinclair-Podcast-Moderatorin Amy Iman Zayad im Gespräch ihre gemeinsames Interesse für David Bowie zum Thema machten und mit Sinclair verknüpften, war dies die Geburtsstunde dieses Romans. Amy wurde nicht nur im Roman zur weißen Hexe, sondern auch auf dem Cover verewigt. Und auch Florian Hillebergs mittlerweile leider verstorbener Kater Fidel erhielt einen Ehrenplatz im und auf dem Roman. 

Es war höchste Zeit, dass John Sinclair nach mehr als vierzig Jahren Geisterjagd eine Auffrischung erfährt. Die neuen Autoren (allen voran Ian Rolf Hill) geben hier wirklich gute neue Impulse. Im Heft selbst stellen Sinclair und Suko sich die Frage, ob die Grenzen zwischen Dämonen und menschlichen Abgründen fließender und schwerer trennbar werden. Und genau dies macht der Autor immer wieder zum Thema. Auch dieser Roman ist mehr ein gut konstruierter und moderner Psychothriller als ein klassischer  „Gruselroman“. Die Settings sind nicht zimperlich gewählt und der Krimicharakter (den auch Jason Dark immer beabsichtigt hatte) kommt gut zum Tragen. Was Timo Wuerz bildlich und Florian inhaltlich da wieder umgesetzt haben ist ein weiterer Meilenstein bei John Sinclair. Da wird einmal mehr das angestaubte Image des klassischen Heftromans auf ganzer Linie aufpoliert. Und John Sinclair selbst aufs nächste Level gehoben. Fünf uneingeschränkte Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Montag, 19. Juli 2021

Professor Zamorra 1229 - Alte Seelen - von Adrian Doyle

Geschrieben von Adrian Doyle
Erschienen am 06.07.2021
Cover von Shutterstock

Der Junge kauert verängstigt in seinem Versteck, das Herz schlägt ihm bis zum Hals. Er ahnt, dass sein Verfolger ihn auch hier finden wird. Schon nähern sich Schritte.
Die Furcht raubt Thierry Bouchard fast den Verstand. Er zittert, als stünde er unter Strom.
Der Nebel, wispert es in ihm. Der Nebel ist schuld.
Dann wird die Schranktür aufgerissen. Der Schattenriss, der sichtbar wird, holt aus.
„Sün-der!“, gurgelt es aus dem Schlund des Monstrums, als wäre er mit Blut gefüllt. „Gott-verdamm-ter Sün-der!“
Im nächsten Moment fährt die Klinge auf das Kind herab.

Einen kleinen Jungen zieht es zu Château Montagne. Thierry Bouchard steht unter dem Bann uralter Ereignisse, die wieder mit Kelan de Saint-Cyriac und seinen ORDEN zusammenhängen. Gyungo Tensöng hat eine übersinnliche Erfahrung bezüglich des Aufbewahrungsbehälters der 333 Amulettdoubletten, der auch schließlich spurlos verschwindet. Zamorra und seine Freunde werden von einem schrecklichen Geheimnis bedroht, mit dem Kelan vor hunderten von Jahren seinen Schatz abgesichert hat.

Mit "Alte Seelen" setzt Manfred Weinland endlich die Handlung um Kelan umfassend fort. Bisher gab es ja nur einige kurze Passagen der anderen Autoren, die auf die "noch" unentdeckten Aktivitäten der Gegenseite verwiesen. Wie auch schon der letzte Vierteiler von Manfred Weinland, ist auch der vorliegende Roman mit der Fortsetzung der Handlung um die „Amulett-Schwemme“ wieder ein Highlight. Kelans Geschichte wird damit um ein dunkles Kapitel erweitert. Thierry wird als Kelans Nachfahre und unter dessen Obhut wahrscheinlich noch eine tragende Rolle im Kampf der beiden Seiten spielen. Aber der Roman ist nicht nur bezüglich der Geschichte ein Knaller. Denn die Innenseiten des Umschlags beinhalten eine wunderschöne und detailreiche Karte von Saint-Cyriac und Château Montagne. Fünf Sterne für dieses Gesamtpaket!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Dienstag, 13. Juli 2021

Maddrax 560 - Gesandte des Mars - von Jana Paradigi und Ramon M. Randle

Geschrieben von Jana Paradigi und Ramon M. Randle

Erscheint am 06.07.2021
Cover von Shutterstock

Der Hydree Wang'kul, der "neue Herrscher des Mars", wird auf die Geschehnisse auf der Erde aufmerksam. Er spürt dort auch auf die gigantische Entfernung eine böse Energie wachsen, und will ergründen, was es damit auf sich hat. Doch wie soll er jemanden zur Erde schicken, wenn doch ein Rückweg durch den Zeitstahl unmöglich ist? Wang'kul wählt einen ungewöhnlichen Weg, und so bekommen Matt und Aruula unerwarteten Besuch vom jetzt nicht mehr ganz so roten Planeten ...

Auf dem Mars hat sich viel getan. Und ich habe seit meinem letzten Besuch scheinbar einiges verpasst. Mir war auch nicht bewusst, dass es während meiner Zeitsprung- und Fremdweltabstinenz weitere Romane mit Marsthematik gab. Trotz meiner nicht ganz so schlechten Vorkenntnisse aus dem Mars-Zyklus und dem Mission-Mars-Spinoff komme ich in die Marsstory nicht so recht rein. Vieles wirkt auf mich verworren. Die verschwundenen Kuppeln und die Begrünung des roten Planeten werfen für mich viele Fragen auf. Die Handlung auf der Erde mit dem ungewöhnlichen Besuch von Chandra bot dagegen gute Unterhaltung. Und ein brisantes und dadurch interessantes Wiedersehen mit Matt und Aruula. Auch der Aufbau um das Mysterium ihres Auftauchens und ihr junges Erscheinungsbild wurde dramaturgisch gut umgesetzt. Ich bin gespannt, was dieses Zwischenspiel für die zukünftige Hanldung noch bedeuten wird. Aber dennoch habe ich mich mit diesem Roman etwas schwer getan. Ich musste mich etwas durchkämpfen obwohl ich mich auf die erneute Reise zum Mars sehr gefreut habe. Manchmal kann man es aber auch einfach nicht erklären, woran es genau gelegen hat. Drei Sterne!

⭐️⭐️⭐️

Donnerstag, 8. Juli 2021

John Sinclair Classics 99 - Das Grauen an der Themse - von Jason Dark (Richard Wunderer)

Geschrieben von Jason Dark (Richard Wunderer)
Erschienen am 15.06.2021
Cover von Ballestar

Schweißüberströmt steuert Jack Fiddler den gestohlenen Wagen auf die Frau zu. Eine Handbreit vor ihr kommt er zum Stehen und springt auf die Straße. „Stärke mich für meine Taten“, fleht Jack. „Hilf mir, Schwarzer Tod!“ Unverzüglich kommt das Böse wie ein Blitz über ihn – und er dreht mit einem einzigen Ruck den Kopf seines Opfers auf den Rücken …

Mysteriöse dämonische Morde erschüttern London und rufen John Sinclair auf den Plan. Zwei verfeindete satanistische Sekten scheinen sich zu bekämpfen und der Strippenzieher ist einmal mehr der Schwarze Tod. Er stellt dem Geisterjäger mit seinen undurchsichtigen Aktivitäten eine Falle in die er prompt mit Jane Collins an der Seite tappt.

Auch Band 99 der Sinclair Classics ist wieder von einem damaligen „Gastautor“ und wurde von Richard Wunderer unter dem Pseudonym Jason Dark geschrieben. Er hat damit leider einen belanglosen und wirren Beitrag abgeliefert, dessen Grauen nicht nur an der Themse zu finden ist. Da wollte er wohl etwas zu viel Handlung und dabei ging selbige mit dem roten Faden verloren. Der schwarze Tod ist einmal mehr der Gegner, der diesmal aber gänzlich aus dem Hintergrund agiert und erst auf den letzten Seiten vehement eingreift. Dies rettet den Roman leider nach einer Irrfahrt an Ermittlungen nicht mehr. Andauernd wirft er einen neue Thematik in den Ring, ohne weiter darauf einzugehen. Da gibt es plötzlich zwei satanistische Parteien die sich bekämpfen oder einen geheimnisvollen Folianten der die Menschen beeinflusst. Und Sinclair hetzt von einem Tatort zum nächsten und ist so planlos und verwirrt wie der Leser. Einzig zugute halten kann ich dem Autor seinen eigentlich guten Schreibstil. Zwei Sterne.

⭐️⭐️

Dienstag, 6. Juli 2021

John Sinclair 2242 - 200 Seelen für Asmodis - von Marlene Klein

Geschrieben von Marlene Klein
Erschienen am 29.06.2021
Cover von Timo Wuerz 

„Etienne ...“, Sophie Lamorts Stimme war so leise und tonlos, dass sie kaum noch hörbar war. „Etienne ...“ Wieder hauchte sie den Namen ihres Gatten. Wohl ahnend, dass der Tod bereits seine Hand nach ihr ausstreckte, aber nicht wissend, dass ausgerechnet der Mann den sie liebte, dafür verantwortlich war.Etienne Lamort legte den Federkiel zur Seite, mit dem er seine letzte Beobachtung in sein Notizbuch, eine mit einem schwarzen Band verschließbare und in Leder gebundene Kladde, eingetragen hatte.
„Ich bin hier, Liebes!“, antwortete er und fasste ihre Hand.
Sophies Pupillen hatten sich eingetrübt. Schon gestern hatte ihr Augenlicht sie verlassen. Genauso langsam und qualvoll, wie sie auch die anderen Sinne verließen. Doch die junge Frau, die noch nicht einmal zwanzig Sommer erlebt hatte, hatte standhaft gegen die mysteriöse Krankheit in ihrem Körper gekämpft. Eine Krankheit, die in Wirklichkeit keine war, sondern die Symptome einer Vergiftung. Diesen ausweglosen Kampf konnte sie nur verlieren. Der Feind in ihrem eigenen Körper war übermächtig und unerbittlich ...

Kennt ihr Herman Webster Mudgett? Die Autorin bestimmt. Unter dem Namen H.H. Holmes erbaute er in Chicago sein Mörderhotel. Alles war darauf ausgerichtet unentdeckt seinen perversen Neigungen und seiner Mordlust nachzugehen. Der vorliegende Roman von Marlene Klein greift dieses Thema auf. Bei ihr ist der Schauplatz London, das Hotel ist das Grand Royal Hotel und der Serienmörder heißt Etienne Lamort. Seine Mordlust nutzt Asmodis dazu aus, um einen Pakt mit ihm einzugehen. Er hilft ihm eben dieses Hotel mit seinen Geheimgängen und dem Folterkeller zu bauen und bekommt im Gegenzug die Seelen seiner Opfer. Die Überführung der Seelen übernimmt das dämonische Geschöpf Petryl, das sich fortan  mit Lamort dessen menschlichen Körper teilt. Bei Bedarf und zur Übergabe der Seelen verlässt er dessen Körper. Nachdem Lamort seine Schuldigkeit getan hat, hält sich Asmodis natürlich nicht an die Abmachung. Der Dämon verschmilzt mit dem Gebäude, denn das war von Anfang an der Plan Asmodis. Für ihn sollte dieses Gebäude eine Festung in der Zeit werden, in der er über die Jahrhunderte hinaus Seelen für seinen Herrn sammeln sollte. Doch da hat er die Rechnung ohne John Sinclair gemacht. Denn der wird auf die erneuten Mordfälle im alten Hotel angesetzt und kommt den wahren Hintergründen schnell auf die Spur.

Wenn wirklich Holmes als Grundlage und Ideengeber agierte, dann hat die Autorin das Ganze super in einen Sinclair-Roman adaptiert. Holmes konnten ja „nur“ 28 Morde nachgewiesen werden, aber man ging damals von wesentlich mehr unbekannten Opfern aus, da er viele ebenfalls im Fluss oder in Säurebädern entsorgte. Er behauptete bis zu seiner Hinrichtung vom Teufel besessen zu sein. Im vorliegenden Band ist es ebenfalls ein Pakt mit dem Teufel, der auch in dieser Woche zu einem erneuten Aufeinandertreffen von John Sinclair und Asmodis führt. Ein grandioser, spannender und gut geschriebener Beitrag von Marlene Klein, der nicht nur Krimiflair hatte, sondern auch die übersinnlichen Themen ausreichend bediente. Schön, das es nun auch einmal eine Autorin bei Sinclair gibt. Und längst überfällig, haben starke Frauen doch schon immer die Welt von Sinclair geprägt. Einmal mehr darf auch das atemberaubende Titelbild von Timo Wuerz nicht unerwähnt bleiben. Es ist das Sahnehäubchen auf diesem Fünf-Sterne-Roman!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Mittwoch, 30. Juni 2021

John Sinclair 2241 - Eishauch des Todes - von Rafael Marques

Geschrieben von Rafael Marques
Erschienen am 22.06.2021
Cover von Shutterstock

Curtea de Argeș, Rumänien, 1692

„Nico, Simona ...“
Die Geschwister beugten sich noch weiter zu ihrem auf dem Sterbebett liegenden Vater hinab und drückten sich an ihn. Ihre Tränen benetzten sein weißes Hemd, das bereits wieder vom dem Blut der stetig nässenden Wunden verschmutzt war. Iolad Damascu, der sein Leben lang stark hatte sein müssen, um seine Familie zu beschützen, wirkte nun, in seinen letzten Stunden, alt und krank. Dabei hatte er gerade erst das vierzigste Lebensjahr vollendet.
„Papa, du darfst nicht sterben“, hauchte ihm seine Tochter zu. Simona, die so wunderschön war wie ihre Mutter, schluchzte und wollte sich gar nicht mehr aus seiner schwachen Umarmung lösen.
„Es geht nicht anders, Simona. Ich ... werde euch verlassen ...“
Nico schüttelte den Kopf. „Gib nicht auf. Lass nicht zu, dass der Teufel sich deine Seele holt.“
„Niemals, das wird er ... niemals schaffen. Der Engel ... wird dafür sorgen.“
„Und wenn der Fürst eines Tages zurückkehrt?“

Die Geschwister Liz und Damien Waterston erwerben ein Schloss in den Südkarpaten und stoßen dort auf ein tödliches Geheimnis, das die Familie Damascu seit Jahrhunderten im Zaum gehalten hat. Damien und seine beiden Freunde Joel und Billy Abernathy sterben dabei und die Leichen werden von Liz nach London überführt. Als die beiden Abernathys im Besatattungsinstitut als Eiszombies wiederkehren, wird John Sinclair auf den Fall angesetzt. Sein Weg führt in zum Ursprung in den Karpaten. Mit der unerwarteten Hilfe eines Engels versucht er das Unheil erneut zu bannen.

John Sinclair, ein Engel, der Teufel, eine Eishexe und eine alte Familienbürde, das ist die Quintessenz aus der Rafael Marques den vorliegenden Roman der Serie gestrickt hat. Der Einstieg und Hintergrund zur Story gestaltete sich gut und vielversprechend. Bis zur Überführung der untoten „Eisleichen“ und John Sinclairs Übernahme des Falls fand ich das erste Drittel sehr gut und spannend. Dann will der Autor aber für meinen Geschmack zu viel. Anstatt etwas geradliniger zu bleiben, überfüllt er die Bühne mit Handlung und Protagonisten. Somit verliert sich die Spannung und er Lesefluss etwas und mündet in einem überhasteten Finale. Gutes Konzept, das für meinen Geschmack etwas weniger gut umgesetzt wurde. Drei Sterne!

⭐️⭐️⭐️

Dienstag, 29. Juni 2021

Professor Zamorra 1228 - Druidenfluch - von Veronique Wille

Geschrieben von Veronique Wille
Erschienen am 20.06.2021
Cover von Shutterstock

Die Gaukler kommen!
Jedermann in Saint-Cyriac freut sich über die Neuankömmlinge, die Abwechslung in das zurzeit recht schläfrige Dorfleben verheißen. Zamorra und Nicole freuen sich zudem, eine alte Bekannte wiederzusehen: Crazy Laze, die mit ihrem zauberkundigen Anhang die Sonnenwendfeier zelebrieren will. Doch leider verläuft die Feier nicht ganz so friedlich wie erhofft …

In einer unbekannten Vergangenheit wird das Mädchen Maledisants von dem Druiden Myrddin in die Ausbildung genommen. Sie verbringt fortan mit anderen Schülerinnen ihr Leben im Wald bei dem Druiden. Der Frieden wird aber von blutrünstigen Goblins bedroht. Als Gwydion einen der Goblins tötet, wird er von dem Druiden als Leibwächter der Mädchen engagiert. Doch Gwydions Gier fordert immer höhere Bezahlung. Als er bemerkt, das Gwydion ihm Diamanten und Gold nur vorgetäuscht hat, verrät er seinen Herrn. Die Goblins nehmen mit seiner Holfe fürchterliche Rache. Myrddin belegt ihn dafür über den Tod hinaus mit einem Fluch.

Als die Gaukler in das Dorf Saint-Cyriac kommen und die Bewohner von Château Montagne etwas Ablenkung suchen, trifft Gyungo dort auf den Druiden. Dieser erkennt ihn als den wiedergeborenen Gwydion. Und so wird das Fest erneut zum Erfüllungsort des Druidenfluchs. 

Veronique Wille macht mit diesem Band einen ungewohnt intensiven Ausflug in die Fantasy. Es ist mir mittlerweile klar, dass Zamorra in keine Gruselklischeekiste passt und mich immer wieder überrascht. So auch im vorliegenden Band, in dem Gyngo seiner wahren Vergangenheit begegnet. Druiden, Zwerge und Goblins, damit hätte ich in dieser From nicht gerechnet. Und Veronique Wille gelingt auch dieser Spagat gut, auch wenn Zamorra und die Handlung in der Gegenwart etwas zu kurz kommen. Das ist mal wieder dem begrenzten Platz eines Heftromans geschuldet. Die Geschichte hätte mal wieder einen guten Zweiteiler ergeben. Ein sehr interessantes Porträt der Autorin rundet diesen Band ab. Die Autorin kann jedenfalls auch Fantasy und das bestätigt sie auch im Interview. Leider wird dort nicht verraten unter welchen Pseudonym sie bereits drei Fantasy-Romane geschrieben hat. Das hätte mich sehr interessiert. Fantasy scheint ihr jedenfalls auch bei Zamorra viel Spaß gemacht zu haben und so kam es auch bei mir an. Vier Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️

Montag, 28. Juni 2021

Maddrax 561 - Kampf um die Wolkenstadt - von Stefan Hensch

Geschrieben von Stefan Hensch

Erscheint am 20.07.2021
Cover von Néstor Taylor

Endlich zurück in Afra, planen die Gefährten um Matthew Drax, die Wolkenstadt Château-à-l'Hauteur zurück zu erobern und die infizierte Bevölkerung mit den Kristallsplittern zu heilen.
Das mag auf dem Papier einfach klingen, doch die Dunklen haben mit ihren Mutanten so viele Trümpfe in der Hand, dass die praktische Ausführung in einer Katastrophe zu enden droht. Ist der Krieg gegen die Träger des Dunklen Keims schon verloren, bevor er richtig begonnen hat...?

Maddrax 559 - Der Schatz im Kratersee - von Christoph Schwarz

Geschrieben von Christoph Schwarz
Erscheint am 22.06.2021
Cover von Shutterstock


Während sich Pilâtre de Rozier in der Parallelwelt aufhält, sind Matt und Aruula mit den beiden Daa'muren am Kratersee unterwegs. Hier hoffen sie jene Kristalle zu finden, die die einzig wirksame Heilung vom Dunklen Keim versprechen. Matt will die Suche bei dem Drakullendorf beginnen, zu deren Einwohnern sie bereits Kontakt hatten. Doch Je'lynn, der Dorfvorsitzende, ist erschrocken über ihr Vorhaben und weist sie zurück. Die Herrin vom Seewürde nicht dulden, sich an dem Schatz zu vergreifen.
Die Gefährten ignorieren die Warnung – und stoßen auf ein Erbe der Vergangenheit, das im Jahre 2510 in einem Bunker in Novosibirsk seinen Anfang nahm ...

Die Führung des  Bunkers in Novosibirsk entdeckt 2510 bei einem Sprengstoffunfall zufällig innerhalb des Bunkers die dort integrierte Gen-Arche. Dort fanden nach der Katastrophe im 24. Jahrhundert Experimente mit widerstandsfähigen Tiermenschmutationen statt. Großzarin Nadescha führt diese Experimente fort und forscht „nebenbei“ noch an der Unsterblichkeit. Die Experimente geraten aus dem Ruder und es entsteht ein Wesen, dass es 2551 Matt und seinen Mitstreitern schwer macht, an die so wichtigen Kristalle heranzukommen.

Es geht mit Christoph Schwarz zurück an den Kratersee. Und in der Zeit zurück vor dem Abzug des Wandlers. Zu Anfang hatten wir ja oft Romane, die eine Entwicklung nach dem Einschlag thematisierten und eine Verbindung mit der realen Welt vor 2012 herstellten. So auch endlich wieder im vorliegenden Roman. Die Gen-Arche in San Diego gibt es immer noch. Auch die russische Firma Kriorus. Auch wenn sich diese mittlerweile eher auf das kommerzielle Einfrieren von Menschen spezialisiert hat. Ich mag solche Verbindungen in die dunkle Vergangenheit der Erde ja sehr. Auch die Entstehung und negative Entwicklung von Maschda war gut konzipiert und umgesetzt. Ihre Wandlung zur Herrin des Sees und die Verbindung zu den Daa’muren und ihrem Leshi’ye ein absolutes Highlight. Eine faszinierende aber auch tragische Geschichte um eine Protagonistin aus russischer Vergangenheit. Und ein rundum gelungenes Abenteuer mit Grao, Ira und den Drakullen am Kratersee. Auch wenn ich es mittlerweile zu einfach finde, wie sich die Protagonisten in der postapokalyptischen Welt von Maddrax von A nach B bewegen können. Der anfängliche Reiz und die Gefahren des Reisens innerhalb der Serie sind leider gänzlich verschwunden. Und so liegt auch der Fokus mittlerweile nicht mehr auf einem Gebiet, sondern Matt und Aruula jagen von Schauplatz zu Schauplatz. Und nächste Woche geht es so auch wieder zurück zum Hort des Wissens und einem Wiedersehen und -lesen mit den Marsianern, was ich natürlich trotz dieser Kritik toll finde. Denn es sind solche Geschichten wie die vorliegende, die den besonderen Flair der Serie weiterhin aufrecht erhalten. Fünf Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Freitag, 25. Juni 2021

John Sinclair Classics 98 - Ausflug ins Jenseits - von Jason Dark (Walter Appel)

Geschrieben von Jason Dark (Walter Appel)
Erschienen am 01.06.2021
Cover von Ballestar

Der zwielichtige Londoner Reisebürobesitzer Thomas Argyll bietet eine exklusive Busreise nach Schottland an. Höchst seltsam ist nur, dass sich die Reisenden nicht aus eigenem Willen, sondern wie von einem unheimlichen Zwang geleitet, zu dem Ausflug anmelden. So auch Jane Collins Freundin, Shirley Barnard, die ursprünglich auf die Seychellen wollte. Als der Geisterjäger John Sinclair schließlich im Reisebüro am eigenen Leib erfährt, dass hier dunkle Mächte am Werk sind, kauft er kurzerhand ein Ticket ...

Unter dem Pseudonym Jason Dark schrieb nicht nur Helmut Rellergerd John Sinclair. Auch Walter AppelMartin EiseleFriedrich Tenkrat und Richard Wunderer schrieben als Jason Dark insgesamt 55 Sinclair-Romane. Der vorliegende Beitrag (von insgesamt fünf Romanen für die Serie) von Walter Appel/Earl Warren ins Sinclair-Universum liegt nun in der Classics Neuauflage vor. Es ist ein schönes Gruselabenteuer das etwas den Charme der 70er und 80er Jahre verbreitet. Nicht nur was die Kleidung und das gesellschaftliche Bild angeht, das dieser Roman vermittelt. Auch die Busreise nach Schottland mutet insgesamt sehr nostalgisch an. Und das Ende hatte sogar eine lovecraftsche Cthulu-Anmutung und hat mir am besten gefallen. Die Reise selbst und der Roman zieht sich zwar stellenweise etwas, bleibt aber insgesamt unterhaltsam mit seinen Zwischenstationen und den damit verbundenen Aktivitäten Argylls. Erfrischend fand ich auch den Auftritt von Professor Hieronymus Adolf Melibocus und seinem Assistenten Fitz Fitzgerald, der leider einmalig in der Serie blieb. Ich sehe nicht nur in dieser Besetzung, sondern auch im Roman insgesamt immer wieder starke Parallelen zu Tanz der Vampire und Professor Ambronsius und dessen Assistenten Alfred. Kein herausragender aber ein guter Beitrag von Walter Appel.

⭐️⭐️⭐️⭐️

Montag, 21. Juni 2021

John Sinclair 2240 - Der dämonische Hutmacher - von Michael Schauer

Geschrieben von Michael Schauer
Erschienen am 15.06.2021
Titelbild von Shutterstock 

Zuerst sah er den Hut, dann den Mann.
Hat er sich tatsächlich schon wieder einen neuen gekauft?, dachte Neal Sanders, als sein Kollege Gary Wind sich über den breiten Flur langsam ihrem gemeinsamen Arbeitsplatz näherte. Um ihn herum war es hektisch und laut, Menschen riefen scheinbar wahllos Zahlen durch den Raum und tippten geräuschvoll auf Tastaturen herum, Telefone klingelten pausenlos. Ein ganz normaler Donnerstagmorgen an der Londoner Börse.
Sanders strich sich durch das dichte, graue Haar und lehnte sich in seinem Bürostuhl zurück. Dann hatte Gary seine Ankündigung wohl wahr gemacht und war gestern bei diesem neuen Hutmacher in der St. James Street gewesen. Er schwärmte ihm schon seit Tagen von diesem Laden vor. Sein Kollege war ein Hutnarr, er besaß mindestens ein Dutzend davon. Seine neueste Erwerbung war, soweit Sanders sich da auskannte, ein Porkpie-Hut, wie ihn oft die Musiker am Covent Garden trugen ...

An der Londoner Börse läuft ein Mann mit einem Tick für Hüte Amok. Kurz zuvor hat sein Kollege einen Totenkopf statt seines Gesichtes gesehen. Das bringt John Sinclair ins Spiel und führt ihn auf die Spur des Hutmachers Tarsov. Dort hatte zuvor Milli Peaches ihren Hut abgeholt, den sie sich extra für Ascot anfertigen lies und platzte dabei in ein magisches Ritual. Sie kann entkommen und liefert Sinclair und Suko damit die entscheidenden Hinweise. Der Hutmacher hatte auch dem Amokläufer einen Hut angefertigt und verkauft. Er plant mit seinen dämonischen Hüten Ascot in ein dämonisches Massaker zu stürzen. Als selbst Suko in seine Fänge gerät, wird es für Sinclair und Milli mehr als brenzlig.

Ein genialer Plott, unerwartete Wendungen und eine köstliche Begegnung zwischen Sinclair und der Queen. Das ist in Kürze mein Fazit zu diesem schönen Sinclair-Roman von Michael Schauer. Einen Hutmacher und Ascot in dieses Abenteuer einfließen zu lassen, war eine schräge und schöne Idee und die Ausführung hat echt Spaß gemacht. Außerdem gab es einige wirklich spannende Szenen, die einen mal wieder mit um um die Protagonisten zittern ließ. Suko unter dämonischen Einfluss gegen seinen besten Freund und Kollegen zu stellen, war auch mal wieder abwechslungsreich und erfrischend. Fünf Sterne von mir für diesen tollen Roman!
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

John Sinclair 2239 - Das satanische Wunschkonzert - von Jason Dark

Geschrieben von Jason Dark
Erschienen am 08.06.2021
Titelbild von Timo Wuerz

Es gibt immer wieder Überraschungen in meinem Leben, die mir die andere Seite beschert.
So auch in diesem Fall. Da bekam ein Teenager namens Lena Green ein altes Radio geschenkt und sorgte dafür, dass es seine ganze Kraft ausspielen konnte.
Drei Monstren erschienen. Eine Hexe, ein Maskenmann und ein Zombie. Und sie spielten das satanische Wunschkonzert ...

Lena Green lebt mit ihrer Tante in einem Kloster. Beide sind zivile Bewohner und arbeiten für die Nonnen. Bei einem Ihrer „Ausreißausflüge“ entdeckt Lena in einem Antiquitätengeschäft ein altes Radio. Der merkwürdige  Inhaber drängt sie dazu es mitzunehmen und verspricht ihr damit ein anderes, besseres Leben. Sie lässt sich überreden und entdeckt kurz darauf die drei dämonischen Geister, die das Gerät beherbergt. Sie erfüllen ihre satanischen Wünsche in Bezug auf ihre Peiniger, die sie immer wieder im Kloster belästigen. Doch die mysteriösen Morde rufen bald den Geisterjäger auf den Plan. Nicht lange und die Spur führt zum Nonnenkloster und zu Lena Green, die durch das Radio selbst immer dämonischer wird...

Jason Dark liebt es Alltagssituationen in seinen Romanen dämonisch zu entfremden. Diesmal tut er dies mit einem Alltagsgegenstand, der mir von meinen Großeltern noch sehr gut in Erinnerung ist. Ein altes Röhrenradio mit einem sogenannten „magischen Auge“ beherbergt die drei dämonischen Hauptdarsteller dieses Romans. Eine sehr gelungene Idee, die mich besonders am Anfang an „Needful Things“ von Stephen King erinnerte. Ein sehr spannendes und schönes Geisterjäger-Abenteuer aus der Feder des Meisters, das bis auf die erneut hölzernen und teils unlogischen Dialoge diesmal sehr gelungen war. Auch störte mich etwas die Motivation von Lena, ihre vermeintlichen Peiniger loszuwerden. Da erschien es mir auch etwas weit hergeholt, jeden umbringen zu wollen, der nur lüstern schaute. Und das alle hier zu geifernden Mördern werden, die in ihrem Umfeld leben. Aber ansonsten war es ein gelungener Roman der kurzweilig und sehr unterhaltsam war. Vier Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️

Mittwoch, 16. Juni 2021

John Sinclair 2238 - Harlekin des Hasses - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erschienen am 01.06.2021
Cover von Shutterstock 

Egal wie sehr er an den Fesseln zerrte, sie gaben einfach nicht nach.
Aber das sollten sie auch gar nicht. Er bezahlte schließlich dafür, dass sie bombenfest saßen. Mit gierig funkelnden Blicken gaffte er in Kims Ausschnitt, als sie sich über ihn beugte, um die Handschellen zu überprüfen, mit denen sie ihn am Bettpfosten fixiert hatte. Viel konnte er nicht erkennen, da in dem winzigen Zimmer des Stundenhotels kein Licht brannte. Nur durch das Fenster schräg hinter ihm an der Wand fiel der Schein einer Leuchtreklame.
Gerade dieses schummerige Halbdämmer, in dem Kims Rundungen mehr zu erahnen als wirklich zu sehen waren, törnte Trevor an. Sein Atem ging schnell und schwer.
„Komm schon, Kimmy, nun mach schon. Ich halte es keine Sekunde ...“
Weiter kam er nicht mehr, denn die Frau, die er für dieses spezielle Vergnügen bezahlte, stopfte ihm den Knebel mit roher Gewalt in den Rachen ...

Eine soziopathische junge Frau im Gewand einer Mischung aus Horrorclown und sexy Krankenschwester die ihre tote Schwester nicht nur rächen will, sondern diese auch wieder ausgräbt um beim Finale in einem Spiegelkabinett eines alten Freizeitparks dabei zu sein. Und ein John Sinclair, der diesmal mehr als Polizist und Fachmann für schwierige und ungewöhnliche Fälle agiert. Und da helfen ihm auch Kreuz und Nagel nicht weiter. 

Das ist doch mal wieder ein Pulproman ganz nach meinem Geschmack. Und Ian Rolf Hill hat es erneut getan. Nachdem er erst kürzlich bei Maddrax seiner Passion für Harley Quinn nachgehen konnte und ihr in einer Hommage im Heftroman huldigte, ist nun auch Sinclair mit dem Harlekin des Hasses an der Reihe. Die Parallelen sind auch für mich als „Nichtkenner“ deutlich zu sichtbar. In der Story dauert es zwar ein bisschen bis die Bühne bereitet ist, aber am Ende wird es mal wieder so richtig heftig. Florian Hilleberg entwirft hier einen neuen Charakter, der so gar nicht der typische Geisterjäger-Gegner ist, sondern eine ganz normale Psychopathin ohne übersinnliche Aspekte, oder? Und auch diesmal beschäftigt sich sein Roman wieder mit menschlichen Abgründen und unkonventionellen Charakteren. Diese wurden meist durch Misshandlung oder andere äußere Einflüsse traumatisiert und dadurch zu dem, was sie letztendlich sind. Vier Sterne für gute und trashige Unterhaltung im Krimi/Horror-Format.

⭐️⭐️⭐️⭐️

Dienstag, 15. Juni 2021

Maddrax 558 - In Feindesland - von Michael M. Thurner

Geschrieben von Michael M. Thurner
Erscheint am 08.06.2021
Cover von Néstor Taylor


Pilâtre de Rozier gelingt es, durch das Portal im Zentrum des Victoriasees in die Parallelwelt vorzustoßen. Er will seinen Sohn zurückholen und ihn, sollte er inzwischen von dem Dunklen Keim befallen sein, mit einem der Kristallsplitter heilen.Doch das Vorhaben erweist sich komplizierter und gefahrvoller als gedacht und gipfelt in einem dramatischen Vater-Sohn-Konflikt, der schon lange zwischen Pilâtre und Victorius schwelte. Denn die grundsätzliche Frage lautet: Will Victorius überhaupt zurück in...

Pilâtre de Rozier will nicht warten bis Matt und Aruula vom Kratersee zurück sind. Er macht sich also auf eigene Faust auf den Weg durch das Portal im Zentrum des Victoriasees um seinen Sohn Victorius zu retten. Notfalls will er ihn mit einem Kristallsplitter heilen, falls er vom Dunklen Keim befallen sein sollte. Doch die in die Parallelwelt versetzte Wolkenstadt Le-Troisième-Port-du-Ciél ist bereits infiltriert und Zirlonga nimmt sich vor, auch Victorius zu infizieren. Dies gelingt ihr zwar, aber der Sohn des Kaisers scheint sich gegen den Dunklen Keim aufgrund seiner latenten Parafähigkeiten wehren zu können. So wird das Wiedersehen zwischen Vater und Sohn zu einer Auseinandersetzung der besonderen Art ...

Endlich wieder ein Maddrax von einem meiner Lieblingsautoren der ersten Stunde. Er darf das Schicksal des Charakters, den er damals im Aafra-Zyklus eingeführt hatte und mit dem er tolle Abenteuer kreierte, nun weiter bestimmen. Er schickt ihn auf ein waghalsiges Himmelfahrtskommando und in eine entscheidende Auseinandersetzung mit seinem Sohn Victorius in der dunklen Parallelwelt. M. M. Thurner liefert einen geradlinigen und kurzweiligen Roman ohne viel Schnörkel ab. Hatte ich zu Beginn des Zyklus so meine Schwierigkeiten mit der Arte und Weise des Einstiegs, so bringen mich derzeit solche Romane wieder in die Spur zurück. Und dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage, wie es wäre, wenn ich jetzt noch nicht die Erkenntnisse aus Saschas Band 551 hätte. Dort wurde die Katze nicht nur aus dem Sack gelassen, sondern bereits geklärt wie sie hineingekommen ist. Wir würden uns (wie damals bei Mutter und dem Ursprung) bis zum Ende fragen, wie der Gegner entstanden ist und wo er herkommt. Für mich ist das in einer Serie immer die größte Motivation dranzubleiben. Dennoch bietet der Zyklus gute Unterhaltung und eine schöne Rückkehr nach Aafra zu lieb gewonnenen Charakteren. Und Pilâtres Exkursion ins Feindesland war ein toller Abenteuerroman der Spaß gemacht hat. Grandios ist auch wieder das Titelbild von Néstor Taylor, auf dem die dramatische Auseinandersetzung zwischen Vater und Sohn auch künstlerisch festgehalten wurde. Fünf Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Freitag, 11. Juni 2021

Professor Zamorra 1227 - An den Gestaden der Hölle - von Thilo Schwichtenberg

Geschrieben von Thilo Schwichtenberg
Erschienen am 08.06.2021
Cover von Shutterstock

Die Hitze biss ihn in Schläfen und Wangen. Der Schweiß des Körpers war längst verdampft. Die Luft stank nach Pech und Schwefel. Im Lavameer schwammen schwarzköpfige Dämonen, und über ihnen zogen Harpyien kreischend ihre Bahnen.Wie schnell sich das Schicksal doch ändern konnte!
Professor Boris Iljitsch Saranow war eigentlich am Ziel seiner Wünsche angekommen. 
Doch jetzt lag er, enttäuscht, entkräftet, dem Tode näher als dem Leben und jeglicher Zukunft beraubt, auf dieser unwirklichen Insel. Hier, an den Gestaden der Hölle ...

Zamorra bereitet sich auf eine Befreiungsaktion. Mit der Silbermond-Druidin Teri und Sam McTaggart betritt er durch das Tor in Sibirien in die Hölle, um Saranow und Kyra zu befreien. Nicole bleibt auf Château Montagne, wo Butler Thomas, der Schläfer des Barons, sich gerade einlebt und sich mit Butler William und den seltsamen Bewohnern arrangiert.

Belial überredet derweil die sanftmütige Vogeldämonin Kyra für ihn die Blume der Verdammnis von der Yaga zu stehlen. In der Hölle bekommt Zamora in einem scheinbar ausweglosen Kampf von unerwarteter Seite Unterstützung. 

Der Trip in die Hölle war echt ein Erlebnis. Der vorliegende Roman, hatte wie bereits sein Vorgänger unzählige Handlungsebenen, viel Stoff und verknüpfte etliche Thematiken. Trotzdem bleibt die Handlung hier homogen und echt spannend und interessant. Thilo Schwichtenberg baut den Charakter von Sam McTaggart weiter aus und beschreibt Kyra ebenso interessant wie das Verhältnis zwischen Baba Yaga und Saranow. Mit Zarkahr betritt auch diesmal wieder ein für mich neuer Protagonist die Bühne. Durch den eingebauten Rückblick wurde sein Auftreten und seine Ambitionen aber auch für Neuleser sehr gut erklärt. Großartig finde ich auch die Qualora. Bereits im ersten Teil verwies Thilo Schlichtenberg bei ihrer Beschreibung auf die allwissende Müllhalde aus den Fraggles, was ich ebenso großartig fand, wie die Serie damals. So hatte ich bei ihr immer ein Bild vor Augen. Insgesamt fiel es mir bei der Fortsetzung schon leichter mit der Handlung und den Charakteren zurecht zu kommen. Wieder einmal wird mir klar, wie komplex Professor Zamorra ist und wie ausschweifend das Multiversum und die Höllenthematik aufgebaut wurde. Vieles ist mir fast schon zu komplex, bisher mag ich die unabhängigen Einzelabenteuer noch lieber. Andererseits tauche ich immer tiefer in den Serienkosmos ein und finde auch die großen Zusammenhänge mehr und mehr faszinierend. Fünf Sterne für die Fortsetzung und einen sehr vielschichtigen Roman!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Dienstag, 8. Juni 2021

Professor Zamorra 1226 - Die Stunde des Barons - von Thilo Schwichtenberg

Geschrieben von Thilo Schwichtenberg
Erschienen am 25.05.2021
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Der Baron nickte anerkennend. „Der Tee schmeckt vorzüglich, meine Liebe.“ Er schob ein Lächeln nach.
„Ich habe ihn eigenhändig ausgesucht“, verkündete die Herrin von Darkwood Manor stolz. „Schwarzer Tee mit Lemon und Ingwer und einem Hauch von ...“
Der Baron hob die Hand. Die Baroness erstarrte mitten im Satz.
„Was ist denn?“, fragte er unwirsch ob der Störung.
„Herr ... Baron ...“, wisperte der Irrwisch, der so plötzlich neben seinem Ohr erschienen war.
Der Angesprochene nickte. „Gib das Zeichen. Es kann endlich losgehen!“

Auf Château Montagne wird es immer schwerer, die Bedürfnisse der neuen Bewohner zu befriedigen und alle unter einen Hut zu bringen. Nicht nur die Bediensteten stoßen an ihre Grenzen, auch Zamorra und Nicole geraten immer wieder in prekäre Situationen und suchen nach Lösungen um die Zauberschule zu strukturieren. Als William durch einen Beinbruch ausfällt, müssen Sie endgültig nach einer Unterstützung für den Butler suchen. Dies bekommt auch der Baron mit und schmiedet auf Darwood Manor weiter seine Intrigen. So versucht er seinen Butler Thomas dem Feind Zamorra für seine teuflischen Pläne unterzuschieben.

Währenddessen stärkt Lilith in der Hölle ihre Machtposition indem sie versucht Stygia mit in ihre Herrschaft einzubeziehen und ihr so den Wind aus den Flügeln nehmen will. In Sibirien ist der Parapsychologe Boris Iljitsch Saranow mit der Vogedämonin Kyra auf der Suche nach einer Möglichkeit, Koschtschej, den Herrn des Chaos in die Schranken zu weisen. Doch beide werden von Stygia entführt, denn sie braucht die Blume der Verdammnis. Baba Yaga bittet Zamorra und Nicole um Hilfe ...

Bisher habe ich die Romane um die große Rahmenhandlung der Höllenthematik immer ausgelassen. Doch in meiner derzeitigen Begeisterung für Zamorra habe ich die Zusammenfassung erneut gelesen, so gut wie nichts verstanden, und dennoch diesmal ins Abenteuer gestürzt. Und es war gar nicht so schwer, denn die Handlung war oft verwirrend, aber erklärt einiges auch ohne explizite Vorkenntnisse oder alle Vorgängerromane um den Baron/LUZIFER gelesen zu haben.

Doch die Handlung um Saranow und Kyra in Sibirien ist doch etwas strange und sehr fantasylastig. So war das Leseerlebnis letztendlich für mich insgesamt doch etwas zu fordernd und wirr und ich muss mich erst weiter in das Thema einarbeiten. Die Handlung um die Situation auf Château Montagne mit dem eingeschleusten Butler war dagegen leicht nachzuvollziehen und macht den Roman auf jeden Fall lesenswert für mich. Am Ende sehe ich erst in der Vorschau, dass es sich um einen Zweiteiler handelt, der in der im nächsten Heft fortgesetzt wird. Ansonsten wäre diese Handlung auch etwas unabgeschlossen und dünn gewesen. Dafür gibt es von mir drei Sterne!

⭐️⭐️⭐️

Montag, 7. Juni 2021

John Sinclair 2237 - Das Vampir-Amulett - von Rafael Marques

Geschrieben von Rafael Marques
Erschienen am 25.05.2021
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Die junge Frau kannte nur noch einen Gedanken: Flucht!
Flucht vor dem Grauen und dem Tod, denn der wartete auf sie, wenn sie jetzt aufgab. Die düsteren Gestalten, die ihr hinterherjagten, würden keine Gnade kennen und genauso über sie herfallen, wie sie es bei einer ihrer Fluchtgefährtinnen gesehen hatte.
Was genau mit ihr geschehen war, wusste sie nicht, aber ihre grauenvollen Schreie hallten jetzt noch in ihrem Kopf nach ...

Eine Gruppe Vampire macht Menschenjagd auf zwei junge Frauen. Eine davon kann entkommen und die Jäger drohen durch sie aufzufliegen. Zeitgleich wird auf dem Kölner Melaten-Friedhof von zwei angeheuerten Ganoven ein Vampir ausgegraben. Sie arbeiten im Auftrag des Echsendämons Rakk aus Twilight-City, der sich als Mensch tarnt und unter dem Namen Nathaniel Dekker agiert. Der eigentliche Auftraggeber ist jedoch der Vampir David von Holstett, der seinen eigenen Vater Eduard von Holstett lebendig begraben ließ. Ziel ist es, von seinem Vater zu erfahren, wo das legendäre Vampir-Amulett verborgen ist. Nachdem er diesen Auftrag ausgeführt hat, soll er im Auftrag von David auch die Frau aus dem Weg räumen, die die von ihm initiierte Menschenjagd überlebte. Doch Dekker verfolgt andere Pläne und hilft von Holstett nur, um selbst an das Amulett zu kommen und damit zurück nach Twilight City zu gelangen. Es folgt eine dramatische Hetzjagd nach dem Amulett...

Ich freue mich, dass Dark Land und Twilight City doch noch nicht ganz verschwunden sind. Auch diese Woche mischt wieder ein Protagonist aus der damaligen Handlung mit. Da passte es gerade sehr gut, dass ich derzeit Band 11 von DL lese in dort ein gewisser Echsendämon eine tragende Rolle spielt. Die Stellen, die die zukünftige Handlung von Dark Land spoilern, habe ich dank der Fußnoten auslassen können. Rafael Marques schreibt hier einen rasanten, spannenden und kurzweiligen Beitrag, der (bis auf eine Erwähnung am Ende) ganz ohne unseren Titelhelden Sinclair auskommt. An seine Stelle rückt der Echsendämon Dekker, der ein doppeltes Spiel als „Dienstleister“ treibt. Und das macht Spaß und hat nebenbei einen sehr tragenden Hintergrund, der mir bisher neu war.

Ein kleiner Kritikpunkt sei erlaubt: Ich fand es teilweise etwas zu überbordend in der Handlung. Die Menschenjagd der Vampire. Der Disput und die Auseinandersetzung von Vater und Sohn von Holstett und die Jagd nach dem Amulett, die in einem unerwarteten, aber kurzen Finale um den Ur-Vampir-Dämon mündet. Das hätte locker mal wieder für einen Zweiteiler gereicht. Von mir gibts sehr gute vier Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️

Montag, 31. Mai 2021

Zombie Zone Germany - Hoffnung - von Hanna Nolden

Autorin: Hanna Nolden
Erscheinungstermin: 12.11.2020
Verlag: Amrun
Paperback, 104 Seiten
ISBN: 978-3958691537
Preis: 8,50 Euro

So eine Zombie-Apokalypse ist eine prima Sache, solange man genug Kaffee und ein Regal voll ungelesener Bücher hat. Das redet sich Dany zumindest ein. Trotzdem fällt es ihr mit jedem Tag schwerer, aus dem Bett zu kommen. Doch dann treibt sie der Versorgungs-Notstand aus dem Haus und sie stolpert unversehens über einen Hoffnungsschimmer, der ihr ganzes bisheriges Leben gründlicher auf den Kopf stellt, als die Apokalypse es vermochte.

Ich werde sterben. Für eine Handvoll Tampons

Danny schlägt sich im zombiefizierten Deutschland durch. Obwohl ihre Eltern zum Zeitpunkt des Ausbruchs nur einige Kilometer entfernt wohnten, hat sie es nicht geschafft und sah auch keine Veranlassung sich zu ihnen durchzuschlagen. Dies ändert sich, als sie auf der Suche nach Tampons in einem Drogeriemarkt ein Neugeborenes neben seiner toten Mutter findet und sich seiner annimmt. Gibt es Hoffnung für Danny und ihr Findelkind Auri?

Ich lese und verfolge Zombie-Zone-Germany seit Start der Reihe mit der gleichnamigen Anthologie die 2015 im Amrun-Verlag erschienen ist. Auf dem Höhepunkt der Welle um The Walking Dead und Co. kreiert, begeistert mich die deutsche Variante bis heute ein ums andere Mal mit schönen Novellen von meist kleinen und relativ unbekannten Autoren. Seither versuchte ich auf jedem Buchmessecon in Dreieich eine signierte Neuerscheinung zu erwerben. Nun hat uns eine ähnliche, wenn auch bei weitem nicht so dramatische Pandemie im Griff und verhindert derzeit solche Veranstaltungen. Der Verlag hat reagiert und bietet mittlerweile das Abo zur Serie an, die alle Neuerscheinungen und wenn gewünscht auch die bereits erschienen Titel (signiert von den Autoren) beinhaltet. Insgesamt ist das Projekt, die Aufmachung und der Verlag sehr toll und extrem ambitioniert. Der vorliegende Band ist zuletzt erschienen. Demnächst gibt es bereits eine weitere Neuerscheinung.

Hanna Nolden war mir jedenfalls bis dato unbekannt. Aber sie hat mich mit dieser Novelle gefangen und sehr berührt. Ich kann mich absolut in die „Heldin“ ihrer Geschichte hineinversetzen. Ich bin Buchliebhaber und Blogger und besitze über 1.500 Bücher. Mein SuB reicht ebenfalls für mehrere Leben und auch ich kann gut und gerne alleine sein und habe die erzwungene Auszeit der Pandemie mit lesen verbracht. Die Verknüpfung mit Dannys Lieblingsbuch „Der Name des Windes“ dem Auri dann auch ihren Namen verdankt und der Danny immer wieder eine geistige  Zuflucht bietet, fand ich sehr schön.

Gegenüber den gängigen US-Zombieserien die auch immer mehr auf den Horror des Zwischenmenschlichen eingehen, hat die deutsche Serie noch einen weiteren Vorteil. Die Geschichten spielen an bekannten Orten in Deutschland und die Protagonisten sind realistisch und nachvollziehbar. So auch Danny. Eine Alltagssituation bietet den Einstieg in ein kurzes, aber emotionales Abenteuer. Beim lesen beschäftigt man sich automatisch mit der Situation und denkt darüber nach, wie sie die Probleme mit einem Neugeborenen in dieser Situationen den Griff bekommen kann. Eine Geschichte der ich gut und gerne auch auf 300 Seiten gefolgt wäre und die ohne große Action und plakativen Horror auskommt und dennoch eine beklemmende und endzeitliche Stimmung heraufbeschwört. Dafür gibt es von mir fünf Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Maddrax 557 - Der Sklavenhändler - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erscheint am 25.05.2021
Cover von Shutterstock

Nur knapp ist Vasraa Uon dem sorgfältig eingefädelten Plan von Aran Kormak, der sie zur Verräterin und Diebin abstempelte, entkommen. Wenn auch mit schlimmen Wunden an Körper und Geist - denn durch den Absturz mit dem Gleiter hat sie ihr Gedächtnis verloren und ist so den Launen ihres Retters hilflos ausgeliefert.
Doch Vasraa wäre nicht Vasraa, wenn sie sich mit dieser Situation abfinden würde. Und bald schon wird die Gejagte zur Jägerin ...

Kormaks Plan ist fast aufgegangen, denn Vasraa hat seinen Plan mehr Tod als lebendig überlebt. King Curd hat sie jedoch aufgelesen und lässt sie medizinisch versorgen und wieder zusammenflicken. Sie hat aber ihr Gedächtnis verloren und kann sich nicht an ihre Vergangenheit und die Ereignisse die zu ihrem Zustand geführt haben erinnern. Curd erkennt nach ihrer Genesung ihre Fähigkeiten schnell und verkauft ihr eine Vergangenheit als seine Leibwächterin. Curd möchte sich im Menschenhandel ein zweites Standbein aufbauen und begeistert den Sklavenhändler Hesch Tägg für seine Idee, die Straßenkinder von Sinsati einzufangen und auf dem Sklavenmarkt von Schaalsten feilzubieten. Doch der Ausflug wird zur harten Auseinandersetzung, denn sein neuester Fang Vasraa oder Razor, wie sie sich wegen ihres Gedächtnisverlustes nun nennt, stellt sich auf die Seite der Kinder und macht Curd und Tägg das Leben schwer.

Endlich mal wieder ein echter „dreckiger“ Endzeitroman, der ganz ohne Effekthascherei und übersinnliche oder außerirdische Komponenten auskommt. Florian Hilleberg schildert im aktuellen Roman Vasraas weiteren Weg. Und damit nicht nur ihren, sondern auch den Überlebendkampf der Kinder aus Sinsati. Das Wiedersehen und die Fortführung der Handlung um Nuar, Kriischa und Co. hat mich sehr gepackt und gefreut. Zudem hatte der Roman auch mal wieder eine ordentliche Portion maddraxübliche Ironie und eine grandiose endzeitliche Stimmung. Butscha, Peet Bull oder Hesch Tägg als Skalvenhändler mit seinem Brandzeichen # haben mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht und waren auch mal wieder richtige Endzeitcharaktere. Das fehlte mir in letzter Zeit öfter und ich wünsche mir mehr davon. Ich glaube nicht, dass es für die Leser langweilig wird zu erfahren, wie sich Welt und Gesellschaft nach all den Ereignissen und Jahren nach Christopher-Floyd entwickelt haben.

Ich freue mich übrigens sehr, dass Florian (noch nicht) für Perry Rhodan schreibt.  Denn er scheint kein Gucky-Freund zu sein und lebt nun bei Maddrax seine kranken Mausbiberfantasien aus. Ich zitiere: „Ich habe einen verschissenen Mausbiber abgeknallt.“ Ich muss gestehen, dass sein Umgang mit den possierlichen Tierchen mir beim lesen fast körperliche Schmerzen bereitet hat. Er lässt ein Exemplar von Curd nicht nur auf brutalste Weise erlegen, sondern weidet ihn auch genüsslich aus und brät und isst ihn sogar. Ich würde einen Stern für diese Blasphemie abziehen, aber der Roman war einfach insgesamt zu gut und verdient alle fünf Sterne.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️



Mittwoch, 26. Mai 2021

John Sinclair Classics 97 - Der Alptraum-Garten - von Jason Dark

Geschrieben von Jason Dark
Erschienen am 18.05.2021
Cover von Ballestar

Auf einer kleinen Insel bei Evre du Lac befindet sich ein prachtvoller Garten mit etlichen Steinstatuen. Düsteren Gerüchten zufolge soll dort allerdings eine seltsame Bildhauerin namens Lydia La Grange wohnen, die mit den Kräften der Hölle in Verbindung steht. Doch immer wieder gibt es Waghalsige, die sich über diese Warnungen hinwegsetzen. Der Reporter Balmain wird nur wenig später von einer Steinfigur getötet. Bill, Suko und John fahren daraufhin nach Frankreich, um das Rätsel um Lydia La Grange und ihren Garten zu lösen ...

Ein sehr guter Teaser zum Heft, der die Handlung bereits trefflich zusammenfasst. Und so sind wir gleich mitten im Geschehen. Eine geheimnisvolle Insel mit einer mysteriösen Bewohnerin um die sich geheimnisvolle Gerüchte ranken. Sie soll Steinfiguren herstellen, die zum Leben erwachen und die Insel vor fremden Eindringlingen beschützen. Das dies alles wahr ist, müssen zunächst zwei neugierige Reporter am eigenen Leibe feststellen. Nur einer der beiden kann entkommen und informiert seinen Freund Bill Conolly. Dies hat natürlich zur Folge, dass auch John Sinclair und Suko zu einem packenden Abenteuer aufbrechen. Dazu gibt es noch ein Seeungeheuer, dass Suko daran hindert, seinem Freund John zu Hilfe zu eilen, als er das Rätsel um die Insel lüften will. Kleiner Spoiler: Der schwarze Tod ist auch wieder indirekt mit dabei. Ein atmosphärisch dichtes und vielschichtiges Abenteuer, das unfassbar spannend bis zum Schluss war und zu keiner Zeit langweilig oder langatmig wurde. Und eine sehr umfangreiche Handlung für einen kleinen Heftroman.

Ich mag die klassischen Sinclairs in denen damals alles begann. Damals wurden Charaktere und Gegner erfunden, aus denen in den folgenden Jahrzehnten ein faszinierender Serienkosmos entstand, der es bis heute auf mehr als 2200 Hefte in der Hauptserie und unzählige Nebenpublikationen in mehreren Auflagen in dreistelliger Millionenhöhe gebracht hat. Jason Dark war damals wortgewandter und der Schreibstil war besser und anspruchsvoller als heute. Aber darüber habe ich mich in letzter Zeit oft genug ausgelassen und deshalb auch wieder zur Classics-Reihe gegriffen. Dort ist es allerdings besonders zu bemerken. Damals waren die Autoren der Groschenhefte schon auf einem ganz hohen Niveau, wurden aber gnadenlos unterschätzt und belächelt. Heftromanautoren wie Jürgen Grasmück (Dan Shocker), Ernst Vlcek oder Kurt Luif (Neal Davenport), erhielten oft erst spät oder post mortem die verdiente Anerkennung und konnten mehr als nur Trivialliteratur schreiben.

Auch der Alptraum-Garten war so ein klasse Retro-Abenteuer, das fünf Sterne von mir bekommt.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Freitag, 21. Mai 2021

John Sinclair 2236 - Mein Freund, der Totenengel - von Jason Dark

Geschrieben von Jason Dark
Erschienen am 18.05.2021
Cover von Timo Wuerz 

Kann man Tote sehen, wenn sie längst begraben sind?Auf keinen Fall. So dachte ich, bis ich eines Besseren belehrt wurde.
Man konnte die Toten sehen. Nur in einer anderen Form, als tödliche Schatten.
Die machten Jagd auf Menschen und mussten gestoppt werden. Ich stellte mich ihnen, aber nicht allein, denn ich hatte einen mächtigen Helfer, den Engel der Toten ...

Tödliche Schatten verbrennen scheinbar willkürlich Menschen. John Sinclair greift ein und trifft bei seinen Ermittlungen auf Abraham Moody. Der mysteriöse Mann entpuppt sich als Totenengel der Sinclair um Unterstützung im Kampf gegen die Schatten bittet. Dabei müssen sie schließlich unsere Welt verlassen und stellen sich der Bedrohung im fünften Himmel. Denn von dort kommen die Schatten aus der Zwischenwelt und hier müssen sich die beiden Verbündeten einem Schattenkiller stellen.

Im Moment bin ich mal wieder auf dem Sinclair-Trip und deshalb habe ich auch den aktuellen Band aus der Feder vom Schöpfer Jason Dark gelesen. Wiederum mit gemischten Gefühlen. Die erste Hälfte war wieder sehr gut, spannend und hier zeigt Jason Dark einmal mehr seine Stärke. Alltagssituationen und vermeintlich normale Zeitgenossen in Sinclairs Abenteuer einfließen zu lassen. Da wird die Dönerbude und sein Besitzer zum Opfer, ebenso wie die Mafia in einem Ferrari in der Waschstraße. Abraham Moody, der Totenengel, war ein schöner Charakter, der leider in einem Heft „verheizt“ wurde. Ihn hätte ich gerne in weiteren Abenteuern an Johns Seite gesehen. Die Reise mit den Zivilisten in die Zwischenwelt war atmosphärisch schön und gut umgesetzt. Ich will nicht erneut auf der schwachen stilistischen Umsetzung herumreiten. Sie hat mich aufgrund der Story auch diesmal weniger gestört. Mir fiel aber beim aktuellen Sinclair Classics Band 97 „Der Albtraum-Garten“ (den ich gerade im Anschluß lese) auf, wie sehr sich die alten Romane von Jason Dark von seinen neuen Heften unterscheiden. Man hat das Gefühl, dass zwei völlig verschiedene Schriftsteller die Werke verfasst haben. Und normalerweise müssten die neuen Geschichten schriftstellerisch reifer und besser sein. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Und so war mir auch beim vorliegenden Band das Ende wieder zu sehr Standard, denn John räumt den Feind einmal mehr mithilfe seines Kreuzes auf den letzten Seiten aus dem Weg. Und zurück bleibt wieder ein Roman der gut war, aber nicht langfristig im Gedächtnis bleiben wird. Drei Sterne!

⭐️⭐️⭐️


Donnerstag, 20. Mai 2021

Professor Zamorra 1225 - Virus-Alarm! - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erschienen am 11.05.21
Cover von Dirk Berger


2020 hielt das Corona-Virus die Welt in Atem. Binnen kürzester Zeit kam die Weltwirtschaft zum Erliegen, die Gesundheitssysteme gerieten an ihre Grenzen und standen kurz vor dem Kollaps. Die Politiker sämtlicher Nationen waren mit der Situation überfordert. Fieberhaft wurde nach Impfstoffen und Heilmitteln geforscht. Es wurde ein Wettlauf mit der Zeit ...
Und niemand ahnte, dass in einem Schlachthof im niedersächsischen Emsland bereits eine neue Gefahr heranwuchs. Tausend Mal tödlicher als Corona. Eine Seuche biblischen Ausmaßes ...

Vivian Schmitt und Roland Kramer, zwei Tier- und Umweltschutzaktivisten, planen den Livestream ihres Einbruchs in einen Großmast- und Schlachtbetrieb zu übertragen, um die Machenschaften der Asag Holding GmbH in Traben im Emsland offenzulegen. Doch zur Übertragung kommt es nicht und die beiden scheinen spurlos verschwunden zu sein. Da Zamorra Vivian aus ihrer Studentenzeit aus seinen Vorlesungen kennt, wird er im Netz darauf aufmerksam. Er vermutet auch aufgrund des Namens der Firma dämonische Aktivitäten. Daher überredet er Nicole ins Emsland nach Deutschland zu fahren um der Sache auf den Grund zu gehen. Es erwartet die beiden eine Bedrohung biblischen Ausmaßes und ein Gegner, der sich nicht nur die Pandemie, sondern auch das rücksichtslose Verhalten der Menschheit zu Nutze macht.

Im Vorfeld zu diesem Roman von Ian Rolf Hill gab es im Netz Diskussionen zur Thematik des Heftes. Sollte man das Thema Virus in der aktuellen Pandemie als Vorlage für einen Heftroman nehmen?! Auch auf der Leserseite wird auf das „prekäre“ Thema hingewiesen. Zu unrecht wie ich finde. Ich kann diese Diskussion überhaupt nicht nachvollziehen. Oder liest und schaut derzeit niemand mehr Bücher und Filme zu den Themen Naturkatastrophen, Viren und Pandemien, Korruption oder Mord, nur weil dies tagtäglich in der Realität passiert? Der Heftroman ist seit es ihn gibt (also seit mehr als 150 Jahren) ein Spiegel der Gesellschaft. In allen Genres werden immer wieder gesellschaftskritische Themen verarbeitet. Also warum nicht das Thema Corona und Viren in einem aktuellen Zamorra-Roman?

Soviel ich weiß oder gelesen habe ist Florian Hilleberg selbst Veganer und man merkt diesem Roman an, wie sehr ihm die verarbeiteten Themen am Herzen liegen. So sind die Beschreibungen zu den Verhältnissen im Mastbetrieb genauso eindringlich wie die Gedanken zur Entstehung der aktuellen Pandemie und das Verhalten der Menschen in Bezug auf Natur, Umwelt und Ernährung, die er Zamorra und Nicole in diesem Roman in den Mund legt. Die Geschichte rückte dabei aber in einigen Passagen auf Kosten der Erläuterungen und Fakten zum Thema für meinen Geschmack etwas zu sehr in den Hintergrund. Die Idee war aber sehr gut umgesetzt. Die Horrorelemente im Roman kamen nicht zu kurz. Die Highlights für mich waren die „Fleischszene“ und das Ende von Vivian und Roland, die Verwandlung des Dämons in die Fliege und die Auseinandersetzung von Zamorra und Nicole mit den zombieartig Infizierten. Aber auch der unterschwellige „Realitäts-Horror“ kam nicht zu kurz. Vier Sterne für einen sehr zeitgemäßen Zamorra-Roman.

⭐️⭐️⭐️⭐️

Montag, 17. Mai 2021

Maddrax 556 - Ein Fremder im Kollektiv - von Ro Demaar

Geschrieben von Ro Demaar und Michael Schönenbröcher
Erscheint am 11.05.2021
Cover von Néstor Taylor

Nachdem die Daa'muren Grao und Ira zu den Freunden in der Wolkenstadt Orléans-à-l'Hauteur gestoßen sind, beraten sie gemeinsam über weitere Schritte, um gegen die Bedrohung der Dunklen vorzugehen und Pilâtres Enkel Pilou zu heilen.
Ira erinnert sich an eine Präsenz, die sie auf der Reise zum Victoriasee wahrgenommen hat, ohne ihr nachgehen zu können. Nun will sie wissen, was dahinter steckt – und weckt damit uralte Geister ...

Im Jahr des Abzugs des Wandlers misslingt es dem Daa‘muren Ordu‘lan‘balat am Victoriasee seinen Sohn Tolo aus dem Kristall in dem sein Geist enthalten ist, in einen Wirtskörper zu übertragen. Er bleibt deshalb mit dem Kristall auf der Erde zurück. Balat schließt sich Wasambo, einem Jungen aus einem Stamm vor Ort an und wird zum Beschützer und Retter der Einheimischen. Er gibt sich schließlich als Daa’mure zu erkennen und wird zum Freund und Vertrauten des zukünftigen Häuptlings Wasambo. Seinen Kristall hütet er weiterhin, denn er hegt die Hoffnung, dass er seinen Sohn doch noch retten kann. Als die Dunklen und die Parallelwelt am Victoriasee auftauchen, wird der Kristall aktiv und seine Hoffnung steigt erneut.

In der Gegenwart treffen schließlich auch Matt und Aruula, die sich zwischenzeitlich mit Grao und Ira im Kampf gegen die Dunklen verbündet haben, auf Balat. Doch Renar, ein Teleporter der Dunklen, ist der Gruppe auf den Fersen. Renar erbeutet  den für ihn unbekannten und mysteriösen grünen Kristall von Balat. Dieser zerbricht aber letztendlich im Kampf. Das dieses Unglück zur Rettung aller dienen kann, wird dabei eher zufällig entdeckt.

Ro Demaar, der neue Autor bei Maddrax, hat sein Pseudonym bereits Wochen vor der Veröffentlichung des Romans gelüftet und war mir tatsächlich als Perry Rhodan Fan kein Unbekannter. Es handelt sich um Ulf Fildebrandt, der bisher nicht nur bei PR-Stellaris aktiv war. Unter der Mithilfe von Matt Mike hat er nun seinen ersten Maddrax verfasst. Und das Ergebnis ist nicht nur kurz und knackig geraten, sondern hat auch enorm Spaß gemacht. Kern der Geschichte ist der Weg des bisher unbekannten Daa‘muren Ordun‘lan‘balat, dessen Schicksal ihn am Victoriasee zurückließ, als der Wandler damals das Weite suchte. Eine sehr schöne Zeitreise an dessen Seite gipfelt schließlich in einem unerwarteten Finale mit dem Dunklen Rena und der zufälligen Entdeckung eines Heilmittels gegen die Infizierung mit dem schwarzen Rauch. Grao und Ira haben hoffentlich einen weiteren Gefährten gefunden, der uns noch erhalten bleibt. Wer hätte in den Anfangszeiten der Serie gedacht, dass einem einmal Daa‘muren sympathisch sein könnten! Und ich fand, dass dieser Roman in den Rückblicken sowohl ein wenig des alten Flairs widerspiegelte, als auch in der gegenwärtigen Handlung spannend und überzeugend von Anfang bis Ende war. Deshalb gibt es von mir fünf Sterne für Ulf zur Begrüßung.

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

John Sinclair 2235 - Der Spinnenfrau ins Netz gegangen - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erschienen am 11.05.2021
Cover von Timo Wuerz

Mein Name ist John Conolly!
Ich war Irrenarzt im Middlesex County Asylum und setzte mich für eine humanere Behandlung der Irren ohne mechanische Zwangsmittel ein. Doch dann wurde ich Opfer einer Intrige. Es dauerte ein wenig, bis ich dahinterkam, doch dann war ich mir absolut sicher.
Eine perfide List einer Irren, die sich dem Bösen verschrieben hatte. Doch damit war nun endgültig Schluss. Hier und heute würde es enden ...

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich derzeit parallel Dark Land lese. Habe alle Ausgaben damals gekauft und gesammelt, aber zur Zeit der Erscheinung leider wenig Zeit zum lesen. Dies hole ich nun nach und war doch freudig überrascht, dass Twilight City und die Thematik nicht gänzlich aus der Hautserie John Sinclair verschwunden ist. Dafür sorgte Ian Rolf Hill mit den letzten beiden Folgen. Als ich in der Rezension zum Auftaktband erwähnte, dass ich mich sehr darauf freute Cruciata in Dark Land zu begegnen, ereilte mich eine Nachricht eines gut informierten Insiders. Ich nenne ihn hier einmal Rian H. Berg. Er klärte mich darüber auf, das Cruciata in Dark Land gar nicht in Erscheinung tritt, sondern aus einem Expo zu einem unveröffentlichten Roman der DL-Serie stammt, das letzendlich in John Sinclair Band 2131 „Comeback im Zwielicht umgesetzt wurde.

Also griff ich als Überbrückung und Vorbereitung zum zweiten Teil auch zu diesem Band in dem es um Cruciata und den Showman geht. Ganz nebenbei auch ein eigenständiger fünf Sterne Roman von Ian Rolf Hill der als meine persönliche Empfehlung unbedingt als Ergänzung zum Zweiteiler und Dark Land gelesen werden kann und sollte.

Zurück zum vorliegenden zweiten Teil rund um Johnny und die Suggesta. Was Florian hier zustande gebracht hat ist grandios und hätte eine Sinclair Taschenbuch wie damals „Brandmal“ verdient. Auf der Leserseite schreibt er über die Recherche und das er sich extra Lektüre zur Vertiefung des Themas besorgt hat. Für einen Heftroman ist das enormer Aufwand und zeigt die Hingabe, mit der er für seine Lieblingsserie arbeitet. Hut ab und größten Respekt davor und vor allem vielen Dank für solch großartige Unterhaltung im oft unterschätzten Heftromanformat. Die Handlung im Asylum um den „anderen“ John Connoly waren derart eindrücklich und spannend und erinnerten mich an Filme wie Shutter Island oder American Horror Story Asylum und ließen den eigenen Film im Kopf abspielen. Aber in der Literatur ist es wie in der Musik. Du hast seit Jahrhunderten die gleichen Akkorde und Harmonien. Dennoch entsteht ständig aus neu arrangierten Aneinanderreihungen und Interpretationen etwas völlig Neues. Auch war ich bezüglich der Auflösung um John Connoly in der Vergangenheit auf einem völlig falschen Pfad. Das dieser Arzt wirklich lebte und so eine Steilvorlage für die Ideen Florians bot, entnahm ich erst der Leserseite. Diese Geschichte in den wahren Ursprung um den Fluch der Conollys einfließen zu lassen war der Hammer. Das Finale lässt nicht nur auf eine neue Allianz des Bösen hoffen, sondern auch auf ein Wiedersehen mit der Spinnenfrau. Fünf grandiose Sterne!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


Montag, 10. Mai 2021

John Sinclair 2234 - Wen der Wahnsinn ruft - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Erschienen am 04.05.2021
Cover von Shutterstock

An
Sir James Clark, Baronet
Leibarzt der Königin und seiner königlichen Hoheit des Prinzen Albert

Mein Herr!
Hauptsächlich Ihrer gütigen Ermunterung wegen sah ich mich vor vielen Jahren veranlasst, mich um die Stelle als Hausarzt im Hanwell Asylum zu bemühen. Neben den vielen anstrengenden Arbeiten, die dieses Amt mit sich bringen, mangelte es mir niemals an Ihrem anregenden Zuspruch.
Nach Beendigung meiner Tätigkeit daselbst und da ich nun in Kürze dem geneigten Publikum jenes System vorlegen werde, welches ich zu fördern strebte, fühle ich mich gedrungen, Ihnen mein inniges Gefühl der Ehre auszusprechen, das mir Ihre Freundschaft vermittelt, und Sie meiner aufrichtigen und dankbaren Hochachtung zu versichern.

John Conolly
Hanwell, 26. Juli 1856

Diese Vorschau des Verlages lässt den geneigten Sinclair-Leser sicherlich zunächst stutzen. John Conolly? 1856? Ja, genau! Es geht um einen John Conolly. Er ist ein Nervenarzt im mittleren Alter der die Leitung des Hanwell Asylum übernehmen soll. Dessen aktueller Leiter, Doktor Ellis, leidet an einer merkwürdigen Krankheit, an der er auch kurze Zeit nach Conollys Übernahme stirbt. Schuld an seiner Krankheit ist eine überirdische Macht, die auch kurze Zeit später John Conolly heimsucht. Katalysator scheint dabei die Patientin Margaret zu sein. In der Gegenwart verschwindet John Conolly nach einem Konzert plötzlich wie vom Erdboden. Cathy, sowie seine Familie und Freunde stehen vor einem Rätsel und auch sein Patenonkel Sinclair hilft schließlich bei der Suche. Sie treffen auf eine alte Bekannte aus Twilight City, welche die sprichwörtlichen Fäden in diesem undurchsichtigen Spiel zieht.

Wow. Was für ein Roman. Das es ein Auftakt zu einem Zweiteiler ist, habe ich diesmal erst atemlos am Ende erkannt als ich die Zeilen „ENDE des ersten Teils“ las.
Und das passiert mir wirklich selten. Am Ende war ich froh, dass hier nicht auf der letzten Seite alles pauschal aufgeklärt wurde. Aber von Anfang an. Das Seeting ist schonmal phänomenal und ganz nach meinem Geschmack. Ein Asylum Ende des 19. Jahrhunderts. Eine aus unzähligen Filmen und Serien bekannte Szenerie, die hier von Ian Rolf Hill stimmungsvoll und unheilverkündend im Heftroman umgesetzt wurde. 

Auf der anderen Seite haben wir Johnnys mysteriöses Verschwinden und die spannende Suche seiner Freunde und Familie nach den Hintergründen. Alles baut sich langsam auf. Ein großes Fragezeichen schwebt während des ganzen Romans fast sichtbar über meinem Kopf. Die Zusammenhänge sind zwar erahnbar, aber keineswegs vorhersehbar. Und dann noch die Verbindung zum Fluch der Conollys und Twilight City und damit Dark Land. Beides lese ich gerade parallel und das passte natürlich thematisch gerade wie Arsch auf Eimer. Auch wenn ich bei Dark Land noch nicht so weit vorgedrungen bin um die Spinnendame zu kennen, kommt diese Doppelfolge wohl auch ohne große Vorkenntnisse genial rüber. Und ich freue mich auf die erste/erneute Begegnung bei DL. Immer wenn ich denke, es geht nicht mehr besser, belehrt mich Florian eines Besseren. Selten war ich so sehr gespannt auf eine Fortsetzung ... 

ENDE der ersten Rezension!

⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️