Montag, 17. Juni 2019

Wolfgang Hohlbein - Der wandelte Wald - Enwor 1

Originaltitel: Enwor 01. Der wandernde Wald
Originalverlag: Goldmann Verlag, München 1983
Taschenbuch, Broschur, 512 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-7341-6206-0
Erschienen am 20. Mai 2019
€ 9,99

Die Enwor-Saga ist eine von vielen zurzeit wieder veröffentlichten Fantasy-Reihen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts. Ähnlich wie Belgariad, die Shannara-Chroniken oder Amber erschienen diese, als die Fantasy im Romansektor noch ein Schattendasein fristete und lediglich Tolkien mit seinem Herrn der Ringe ein Begriff am Büchermarkt war. Gerade deshalb entstanden wohl sehr gute, unverbrauchte und innovative Ideen, deren Qualität heute wiederentdeckt wird und aktuell deshalb viele dieser Bücher neu aufgelegt werden.

Der erfolgreichste deutsche Fantasy-Autor, der in dieser Zeit gerade am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere stand, ist Wolfgang Hohlbein. Mittlerweile zum Bestsellerautor avanciert, war er in dieser Zeit bereits erfolgreich im Heftromanbereich und auch in der Belletristik unterwegs. Seinen Durchbruch hatte er mit dem Fantasyroman "Märchenmond" im Jahr 1982. Seither blieb dies sein favorisiertes Genre.

Mit seinem Freund Dieter Winkler entwickelte Hohlbein Anfang der Achtziger die Welt Ewor, die auch Elemente aus Science-Fiction und Postapokalypse enthält. Aus "EndWorld", bei dem der Titel schon ein wenig verrät, dass es sich um eine fiktiven Zukunft unserer Erde handelt, wurde schließlich das etwas phantastischer klingende "Enwor". Mit Enwor ging Hohlbein neue Wege in der Fantasy. Es gibt in dieser Welt nicht nur Schwarz und Weiß, klassisches Heldentum oder archetypische Figuren. Somit kreierte er wie schon Terry Brooks und andere Autoren dieser Zeit eine "realistischere" Fantasy, die wir in heutigen Fantasy-Romanen auch oft wiederfinden.

Im Inhalt des ersten Enwor-Bandes lernen wir die beiden Satai Skar und Del kennen, die als Angehörige der Kriegerkaste ihr Leben in einer fernen postapokalyptischen Zukunft auf dem amerikanischen Kontinent bestreiten. In ihrem ersten Abenteuer durchqueren Sie auf der Flucht vor einer Horde Quorrl (menschenähnliche Reptilienwesen) die eigentlich unüberwindbare Wüste Nonakesh. Sie überleben nur, da Sie mitten in der Wüste den titelgebenden wandernden Wald von Cearn erreichen. Sie geraten in einen Kampf zwischen den mönströsen, geflügelten Hogern und den Bewohner des Waldes und stehen diesen im Kampf bei. Die Bewohner möchten, dass Skar und Del bleiben und die Cearner in der Verteidigung des Waldes unterstützen. Dabei geraten die beiden in ein Abenteuer, bei dem sie nach und nach tiefer in die Geheimnisse des Waldes und dessen Bewohner eintauchen.

Ich habe den ersten Band der Reihe vor langer Zeit bereits einmal gelesen und hatte vieles inzwischen vergessen, bevor ich den neu überarbeiteten Band vorliegen hatte. Und ich muss sagen, dass der Roman mir heute wesentlich besser gefallen hat als damals. Woran dies genau liegt, ist schwer zu sagen. Hohlbeins frühe Romane fand ich schon immer anspruchsvoller und besser geschrieben als viele neue Veröffentlichungen. Damals erzählte er für meinen Geschmack weniger ausschweifend und oft viel interessanter. Genau diese unverbrauchte Art begeistert mich bei diesem Buch. Es gibt durchaus Längen in dem Roman und ein paar Stellen, bei dem man dem Werk sein Alter anmerkt. Alles in allem überwiegt aber der Abenteuerfaktor und ein gut aufgebauter Spannungsbogen mit Wendungen in der Handlung die sehr überraschend sind. Nun werde ich mit der Neuauflage der Reihe auch die weiteren Abenteuer von Del und Skar endlich verfolgen.

Von mir gibt es eine klare Empfehlung für alle die gute Fantasyabenteuer in einer schön konstruierten und durchdachten Welt mögen, oder Hohlbein-Fans die die Reihe bisher verpasst haben.



Donnerstag, 13. Juni 2019

Maddrax Band 506 - Priester der Unsterblichkeit - von Ian Rolf Hill


Geschrieben von Ian Rolf Hill 
Cover von Shutterstock 
Erschienen am 11.06.2019



Beim Hort des Wissens in Schottland macht jemand Geschäfte mit angeblicher Unsterblichkeit. Könnte das mit dem Zeitstrahl zusammenhängen, der seit Quart'ols und Starnpazz' Rückkehr vom Mars auf den Loch Lomond fixiert ist? Auf jeden Fall ruft es Matt und Aruula auf den Plan, die der Sache nachgehen wollen – und dabei einer Verschwörung auf die Spur kommen, die bis in den Hort hineinreicht...

Dieser Band ist der dritte in Folge aus der Feder von Florian Hilleberg. Und ich bin gar nicht böse drum. Nach seinem hervorragenden Dino-Zweiteiler, darf er mit dieser Geschichte wieder in andere Gefilde weiterziehen. Es geht zum Hort des Wissens nach Schottland, wohin Matt und Aruula „beordert“ werden um zu helfen. Dabei kommt es zwangsläufig zum Wiedersehen mit Sebastian Eisenmann, Juefaan und Jeronimo. Mit von der Partie ist auch der Sauroide Ydiel aus den vorherigen Bänden, der seine Sprachkenntnisse erweitern kann und mit seinen neuen Freunden mehr über die Parallelwelt und die Situation die ihn hierhergeführt hat herausfinden möchte. Ydiel macht riesig Spaß und ich mag ihn sehr. Seine Sprach- und Verständnisschwierigkeiten lockern den Roman angenehm auf. Der ganze Plott dieses Romans war ebenfalls wieder ein Genuss. Ich habe es zwar schon mehrmals in den letzten Rezensionen erwähnt, werde aber nicht müde zu betonen, wie toll der neue Zyklus ist. 

Neben der spannenden Handlung mit dem Techno-Paten und der Einschleusung Frenk Carpolas in den Hort, ist die Idee mit der Unsterblichkeit ein Geschäft zu machen und einen Kult um die Wiege der Unsterblichkeit aufzubauen wirklich genial und wurde hervorragend umgesetzt. Die Demaskierung des Paten Vitaal MacLeone setzte dem Drama die Krone auf. Gleichzeitig wurde ganz nebenbei ein Problem mit langlebigen Serienhelden beseitigt, indem Matt und Aruula erneut den Zeitstrahl passieren und Maddrax damit auch für die nächsten fünfzig Serienjahre gesichert ist. Mit in den Club der relativ Unsterblichen aufgenommen wird auch der Retrologe Sebastian Eisenmann, der bei der Passage des Zeitstrahls mit dabei ist. Ich bin gespannt welche Rolle er innerhalb der Serie damit in Zukunft einnehmen wird. 

Und nächste Woche geht es sogar nochmal zurück zu den Wurzeln mit den Amazonen von Berlin. Ihr seid Wahnsinn!

Geh zum Teufel, Zamorra!


Geschrieben von Adrian Doyle (Manfred Weinland), Christian Schwarz, Manfred H. Rückert, Thilo Schwichtenberg
Titelbild von Dennis Simcott
Band 1175
Erschienen am 11.06.2019

Geh zum Teufel, Zamorra! 4 Autoren – 4 Spitzenstorys!
Zum „kleinen Jubiläum“ laden unsere 4 Autoren auf einen Umtrunk im „Zum Teufel“ ein. Natürlich geht das nicht ohne ein paar unangenehme Überraschungen vonstatten! In „Geschlossene Gesellschaft“ von Manfred Weinland sperrt der Wirt seine Kneipe für die üblichen Besucher zu und schenkt aus einem besonderen Fass nur für sich und die Geister derer aus, die vor ihm den Gasthof bewirtschaftet haben. Thilo Schwichtenberg erzählt in seiner Geschichte „Der Teufel steckt im Detail“ von zwei jungen Möchtegern-Zauberern, die ihre liebe Not mit willigen Wasserfrauen haben. „Deibelsgesöff“ heißt die Story von Manfred H. Rückert – und dieses „Gesöff“ hat es nun wirklich in sich! Last not least präsentiert uns Christian Schwarz einen ganz besonders üblen „Kellergeist“.

Seit langer Zeit habe ich mal wieder zu Professor Zamorra gegriffen. Ansonsten lese ich hin und wieder mal einen Sinclair, Perry Rhodan jede Woche  und Maddrax seit Band 500 wieder alle 14 Tage. Doch dieses Heft ist mir am Kiosk direkt durch seinen Titel aufgefallen. Neben dem Slogan „Die langlebigste Horrorserie der Welt“ stach mir der Titel „Geh zum Teufel, Zamorra!“, das tolle Titelmotiv und auch die Zusatzinfo „1 Gasthaus - 4 Autoren – 4 x Gänsehaut“ sofort ins Auge. Es handelt sich nämlich, was absolut unüblich für einen Heftroman ist, um eine kleine Anthologie mit vier Kurzgeschichten die der Wirt innerhalb einer kleinen Rahmenhandlung seinem Besucher kredenzt.


Professor Zamorra erscheint tatsächlich schon seit 45 Jahren. Seit 2. Juni 1974 in vierzehntäglichem Rhythmus. Erfunden wurde auch diese Serie von Helmut Rellergerd (Jason Dark). Er hat jedoch nur einen Band innerhalb der Serie geschrieben. Es gibt von ihm jedoch mit dem Zweiteiler Der Hexer von Paris & Gefangen in der Mikrowelt (Band 64 & 65) ein Crossover innerhalb von John Sinclair. Die Romanserie kann historisch als Antwort des Bastei-Verlages auf die erfolgreiche Serie Dämonenkiller des Pabel-Verlags gesehen werden, welche seit 1973 zunächst als Subserie im Rahmen der Reihe Vampir-Horror-Roman erschienen war. Da Sinclair erst ab 1978 als eigenständige Serie startete ist Zamorra damit wirklich die langlebigste, derzeit noch laufende Serie in diesem Segment.


Die Einleitungs- und Rahmengeschichte, die uns letztendlich zum Gasthaus „Zum Teufel“ und seinem Wirt Mostache führt, ist schon sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Danach liefern die vier Autoren durchweg schöne und stimmungsvolle Kurzgeschichten ab. Die Story von Adrian Doyle alias Manfred Weinland und die Geschichte von Christian Schwarz haben mir besonders gefallen. Etwas schwerer tat ich mir mit den Wasserfrauen von Thilo Schlichtenberg und Manfred H. Rückerts „Deibelsgesöff“ haute mich auch nicht direkt vom Hocker. Alle Storys haben aber den besonderen Flair, den die Gruselheftchen und ihre Geschichten schon immer für mich ausgemacht haben. Am Ende rundet die Hommage an den legendären Zamorra-Autor Werner Kurt Giesa den ganzen Band hervorragend ab.

Super Idee, die ich mir durchaus auch für andere Serien sehr gut vorstellen kann und ein kurzweiliges Schmankerl für Zwischendurch.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Perry Rhodan - Schwarze Saat - von Michael Marcus Thurner

Über das Volk der Onryonen ist nicht viel bekannt, da sie auf weit verstreuten Dunkelwelten leben, wo sie vor dem Zugriff Fremder geschützt sind. Doch nun wollen die Onryonen des Planeten Jolyona die Beziehungen zur Erde verbessern, und Perry Rhodan übernimmt die Verhandlungen. Auf der Dunkelwelt haben sich noch andere, seltsame Lebensformen entwickelt, die in den Tiefen des Planeten existieren. Es stellt sich heraus, dass es jahrzehntausende alte Verbindungen zur Erde gibt, und Perry Rhodan stößt auf eine Gefahr, die er selbst vor langer Zeit durch eine Zeitreise ausgelöst hat …

Seit Andreas Eschbach in Band 2700 der Hauptserie „Der Techno-Mond“ die Onryonen zum ersten mal in Erscheinung treten lies, hat mich dieses Volk fasziniert. Zunächst war wie so oft nicht klar wie die neuen „Invasoren“ einzuordnen sind. Auch mit ihren vorbeugenden Maßnahmen um den Weltenbrand zu verhindern haben sie sich zunächst keine Freunde unter den Terranern gemacht. Anfangs schauten die Onryonen ähnlich wie seinerzeit die Laren auf die Menschheit als niederes Volk herab. Einfach war das Verhältnis zwischen beiden Völkern nie. Dies ist auch das Grundthema des Romans „Schwarze Saat“ von Michael Marcus Thurner. Es ist der erste Band der Dunkelwelten-Trilogie mit der endlich einmal wieder umfangreichere Romane im Taschenbuchformat aus dem Perryversum erscheinen. Viele dieser „Spin-Off-Serien“ sind in der Vergangenheit bereits erschienen. In der Regel handelte es sich um sechs Bände mit einer fortlaufenden Geschichte aus den unerzählten Handlungsjahren der Hauptserie. Ausnahme war die Taschenbuchreihe PHAN-TAU-RA. Auch bei dieser handelte es sich „nur“ wie bei der Dunkelwelten-Reihe um eine Trilogie. Alle diese Taschenbücher erzählten eine durchgehende Story. Bei den aktuellen Bänden ist dies scheinbar ein wenig anders. Die drei Bände sind eher eigenständig und nur durch einen eher losen roten Faden in der Hintergrundstory verbunden. Und sie erscheinen wie schon die beiden letzten Einzelbände „Die falsche Welt“ und „Trivid“ nicht bei Heyne, sondern bei Bastei-Lübbe.

Der erste Band hat mich gleich gepackt. Perry Rhodan begibt sich auf diplomatische Mission zur Dunkelwelt Jolyona. Unterstützt wird er dabei erfreulicherweise von Homer G. Adams, der ansonsten  ja selten bis gar nicht in den Romanen zum aktiven Einsatz kommt. Beide müssen zwischen Onryonen und Terranern vermitteln, die zusammen auf der Dunkelwelt leben. Die jugendlichen Terraner Casper und Gio werden des Mordes angeklagt. So beginnt der Roman zunächst als diplomatische Mission und erinnert im ersten Moment an einen Space-Thriller. Rhodan erkennt Ungereimtheiten und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. In deren Verlauf begegnet er der onryonischen Archäologin Mohaway Obe. Diese zeichnet Michael Markus Thurner so schön bissig und exzentrisch, dass es eine wahre Freude ist. Sie war ein Highlight-Charakter für mich. Auf seinem weiteren Weg gelangt Perry mit seinem onryonischen Begleiter und Anuupi Hüter-Anwärter Kahoyte in eine gefährliche Lage als sie bei einem Anschlag von extremistischen Onryonen auf einer Großveranstaltung in den Ruinen einer Arena in ein unterirdisches Höhlensystem einbrechen und verschollen gehen. Von der Oberfläche aus versucht Adams seinen alten Weggefährten wiederzufinden. Homer G. Adams wird in diesem Roman mit seiner nicht einfachen Beziehung zu Theresa Gooden einmal von einer völlig anderen und privaten Seite gezeigt.

Auch die Anuupi fand ich auch von Beginn an total faszinierend. Ihre exotische Daseinsform und die Symbiose mit den Onryonen werden im vorliegenden Roman etwas intensiver „beleuchtet“ als es in der Hauptserie bisher erfolgt ist. Ebenso kann der Autor die Kultur der Onryonen etwas tiefer zeichnen. Mir fällt auf, dass die Autoren in den letzten Perry Rhodan Romanen häufiger auf Perrys Vergangenheit vor der Mondlandung eingehen, seit Eschbach mit seinem Roman diese Zeit mit Inhalten gefüllt hat. Die Verweise machen Spaß und ich finde dies gut.  

Achtung jetzt folgen Spoiler! Bitte im nächsten Abschnitt weiterlesen, wenn ihr den Roman noch nicht gelesen habt und euch die Spannung erhalten möchtet. Im weiteren Verlauf geht es faszinierend  weiter und es werden mal wieder viele interessante Handlungsfäden aus der Hauptserie geschickt aufgenommen und neu verwoben. Perry hat mit seiner Zeitreise und der Begegnung mit den Kerouten auf der urzeitlichen Erde die aktuelle Situation auf Jolyona und den Dunkelwelten erst ausgelöst. Die Urbewohner der Erde haben auf der Flucht vor den Tiuphoren das ganze Programm und das holographische Abbild des Kerouten Manoulsi ins Leben gerufen. Das Perry Meister des jungen Kahoyte wird als Obanundi stirbt, und die daraus entstehenden Konflikte und Spannungen zwischen den beiden waren interessant. Die weiteren Erlebnisse und Interaktionen im Dreiergespann, als die Onryonin Cyndenno dazukam, fand ich einfach großartig. Zuletzt noch erwähnenswert finde ich den heimlichen Hauptakteur der Geschichte: den Anuupi Dualles, der mir während des Romans sehr ans Herz gewachsen ist.

Dieses Buch hat mich total begeistert und war für mich einer der besten Beiträge zum Perryversum seit sehr langer Zeit. Kurzweilig, spannend und mit seiner gewohnten Prise Ironie und Humor legt Michael Markus Thurner die Messlatte für die kommenden Bände der Reihe sehr hoch. Mit Robert Corvus und Madeleine Puljic mache ich mir da aber sehr große Hoffnung, dass dieses Niveau gehalten werden kann.

Verlag: Bastei Lübbe
Autor: Michael Marcus Thurner
ISBN/EAN: 9783404209422
Sprache: Deutsch
Umfang: 400 Seiten
Taschenbuch
Erschienen am 29.04.2019

Mittwoch, 29. Mai 2019

Maddrax 505 - Am Ende der Nahrungskette - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Cover von Shutterstock
Erschienen am 28.05.2019

Der Versuch von Matt und Aruula, zwischen den beiden Welten zu vermitteln, endete in einem Desaster. Sowohl die Ex-Technos als auch die Sauroiden glauben an einen Angriff der jeweils anderen Fraktion. Können die beiden einen blutigen Krieg überhaupt noch verhindern? Erst einmal müssen sie in einer von Dinosauriern dominierten Gesellschaft schlicht überleben, denn sie befinden sich zwischen beiden Fronten und am Ende der Nahrungskette...

Dieser Band schließt nahtlos an seinen Vorgänger an und setzt die Erlebnisse von Aruula und Matt nach ihrem Absturz im Dino-Parallelwelt-Areal fort. Wie es nach etlichen Missverständnissen und Feindseligkeiten zur Verständigung zwischen den so verschiedenen Spezies kommt, fand ich spannend und gut umgesetzt.

Colonel Kormak ist auch wieder mit von der Partie. Er hat durch den Flugsaurier die Fährte seines Erzfeindes aufgenommen und sich auf den Weg nach Yutaan gemacht. Noch kommt es in dieser Folge nicht zum Wiedersehen der beiden. Dafür haben Matt und Aruula genug mit den Sauroiden und Dinosauriern zu tun. Geprägt von Filmen wie Jurassic Park hatte ich ständig einen Film vor Augen und konnte mir alles sehr gut vorstellen. Wieder haben wir mit diesem Heft einen actionlastigen Pageturner vorliegen. Beide Bände habe ich in Rekordzeit konsumiert und nicht aus der Hand legen können. Lediglich eine kleine Kritik habe ich bezüglich der Schlichtung von Matt im Dorf der Ex-Technos am Ende. Diese gestaltete sich dann doch etwas überhastet. Die Reaktion auf die Toten die Matt zurückbringt und deren Begegnung mit Ydiel hätte nach meiner Auffassung kein Mensch so vernünftig und ohne weiteres weggesteckt. Die Sauroiden und Spezies auf der anderen Seite des Walls waren ja auch nicht so leicht von der Friedfertigkeit der Menschen zu überzeugen. Aber das hing ja letztendlich doch mehr an der Kommunikation. Grandios finde ich es dagegen, dass Aruula und Matt mit Ydiel nun einen neuen, exotischen Begleiter auf ihrem weiteren Weg haben.

Der Fortsetzung der Doppelfolge habe ich wirklich entgegen gefiebert. Belohnt wurde ich mit einem weiteren sehr guten Roman aus der Feder von Florian Hilleberg/Ian Rolf Hill. Die beiden Bände ergeben zusammen eine runde Geschichte voller Action in einem gut ausgearbeiteten, postapokalyptischen Jurassic Park Setting. Bis jetzt startet der neue Zyklus auf einem hohen Niveau und mit tollen Romanen, die keine Langeweile aufkommen lassen. Es wird schwer die Settings der beiden bisherigen Parallelwelten zu toppen. Aber ich bin sicher, ihr schafft das.

Samstag, 25. Mai 2019

Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern - Eine "neue" Serie und ihre Geschichte


Zu den Rezensionen meiner alten Sternensonde-Fanpage gehörten auch immer die Publikationen und Serien des BLITZ-Verlages. Ich weiß gar nicht mehr wie der Kontakt mit Jörg Kaegelmann, dem Inhaber des Verlages, seinerzeit zustande kam oder wie ich auf die speziellen Serien des Verlages aufmerksam wurde. Die TITAN-Sternenabenteuer (wie die Fortsetzung der Promet-Serie zu dieser Zeit betitelt wurde) waren eine der Science-Fiction-Serien, die mich gleich begeisterten. Bisher total auf Perry Rhodan fixiert, fand ich TITAN/Promet spannend, exotisch und so ganz anders. Es war ein wenig trashig und es wurde im Gegensatz zu den eher konservativen anderen Serien im Genre nicht mit Sex und Crime gegeizt. Kultig beschreibt es wohl am besten.

Zunächst versuche ich vielleicht einmal unter Zuhilfenahme von Wikipedia und anderer Online-Quellen die wechselhaften Geschichte der Serie zu beleuchten:
1971 erfand Kurt Brand für den Kölner Andromeda Verlag (später: Astro Verlag) die als Raumschiff Promet bekannt gewordene, offiziell aber „Arn Borul – Von Stern zu Stern“ betitelte SF-Serie. Er betreute sie etwa ein Jahr lang, bevor er sich mit dem Verleger überwarf und durch den SF-Autor Hermann Peters ersetzt wurde. Kurt Brand war lange Jahre davor und danach ein fester Bestandteil des Perry Rhodan Autorenteams, entwickelte auch die Serie Ren Dhark und arbeitete mit an Krimireihen wie Die Fledermaus und Kommissar X und Jerry Cotton. Kurt Brand zählte mit seinen Werken und seinem Schaffen zu den Pionieren des Heftromans.

Schon den 1950er Jahren wurde Kurt Brand mit seinen immer fantastischen, manchmal "abgedrehten" Einzelromanen für diverse Leihbuchverlage bekannt. Die Mischung aus verrückten Ideen, bizarren, häufig nur angedeuteten Settings und seiner eigensinnigen Schreibweise – die sich teilweise wenig um die Regeln deutscher Grammatik scherte – wie sie für so ziemlich alle seine Werke typisch war, stieß fast ebenso häufig auf vehemente Kritik wie auf begeisterte Zustimmung. Auch Kritiker gestanden Brand zu, dass er sich immer deutlich vom „Einheitsbrei“ deutscher Leihbuch- und Heft-SF abgehoben hat. Diese ihm zugeschriebene Eigenwilligkeit zeigt sich auch im Konzept und Setting der Promet-Reihe.

Die Reihe ist im Laufe ihrer Zeit mehrfach umbenannt worden. Die ersten 20 Nummern trugen den Titel "Science Fiction Zukunftsroman". Ab dem Band 21 trug sie nach dem Konkurs des Andromeda Verlages und der Übernahme durch den Astro Verlag den Titel Astro Sonderband. Inhalt der Reihe waren die Abenteuer des Raumschiffes Promet - erst unter dem Titel "Arn Borul - von Stern zu Stern" erschienen, firmierte dann der bekanntere Reihenname "Raumschiff Promet" gleichberechtigt mit dem Heftroman-Reihentitel. Nachdem Kurt Brand vom Verlag keine Honorare mehr bekam, verweigerte er die Herausgabe weiterer Manuskripte und stellte die Serie ein. Die Reihe endete mitten in einer Neukonzeption, als man die Promet per Absturz "entsorgte" und mit dem "Raumschiff Titan" weitermachen wollte. Insgesamt kam somit die ursprüngliche Serie auf 65 Heftromane. Diese Idee der Fortführung wurde dann aber erst später vom Blitz Verlag aufgenommen.

Die Paperback-Serie "Raumschiff Promet – Neue Abenteuer" setzte die Abenteuer der Heftromane  fort. Diese Abenteuer waren ca. 20 Jahre nach der klassischen Serie angesiedelt. Parallel zu der Handlung erschien dann auch die Paperback-Serie "Raumschiff Promet - Sternenabenteuer". Diese brachte es aber nur auf vier Bände und wurde zugunsten der Fortsetzung der Storyline in "Titan Sternenabenteuer" eingestellt. Als Autor arbeitete hier unter anderem Thomas Ziegler mit, der auch die Exposés für die Fortsetzung verfasste. Diese Reihe brachte es insgesamt auf stolze 32 Bände bis dann ein erneuter Relaunch kam und die Serie mit 10 Harcoverbänden unter der Mitarbeit von E.C. Tubb und dem Titel "Star Voyager" ihre Fortsetzung und auch  den vorläufigen Abschluss der Hauptserie fand. Diese Handlung wurde nach der einheitlichen Umstellung auf das neue Taschenbuchformat des BLITZ-Verlages in "Raumschiff Promet – Die Abenteuer der Shalyn Shan" chronologisch weitererzählt.

Parallel dazu erscheint ähnlich wie beim Konzept von Perry Rhodan NEO seit dem Jahr 2013 "Raumschiff Promet - Von Stern zu Stern". Dort wird die Promet-Historie völlig neu aufgearbeitet. Verbliebene Rätsel werden gelöst, Logikfehler der alten Romane ausgemerzt, der Spannungsbogen gestrafft. Die fehlenden Handlungsjahre zwischen 2097 bis 2107 werden mit dieser Neuerzählung aufgefüllt, bis hin zum Oktober 2109, wo dann die parallel erschienenen Taschenbücher der Reihe „Raumschiff Promet – Die Abenteuer der Shalyn Shan“ den Kreis schließen werden. So soll nun endlich eine logische und komplette umfassende Promet-Reihe veröffentlicht werden. Innerhalb beider Serien sind namhafte Autoren wie Christian Montillon, Achim Mehnert und viele andere vertreten.

Soviel zur Historie und zum Verständnis der Serienzusammenhänge.

Ich habe die Serie seit den Titan-Sternenabenteuern bis zu den aktuellen Abenteuern von Shalyn Shan gelesen und genossen und auch zahlreiche andere lesenswerte Serien aus dem BLITZ-Sortiment abonniert (weitere Berichte zu diesen Serien folgen noch). Einzig die regelmäßigen Kehrtwenden in Erscheinungsform und Titel, das Warten auf Fortsetzungen und auch so mancher holpriger Serienverlauf trübten den Spaß in den vergangenen Jahren etwas. Somit habe ich mich über den Relaunch der Serie in überarbeiteter und zeitgemäßer Form sehr gefreut. Bisher hatten sich schon 25 Bände angesammelt, die ich mir nun in geballter Form vornehmen möchte um die Serie und ihre Handlung von Anfang an miterleben zu können. Derzeit bin ich bei Band 7 angelangt und sehr begeistert. Den aktuellen Autoren gelingt es auch mit den neuen Texten immer noch das kultige Flair und den Geist der alten Serie einzufangen und Promet im Sinne von Kurt Brands ursprünglicher Idee neu zu interpretieren.

In Band 1 durfte der bekannte Perry Rhodan Autor und Expokrat Christian Montillon den Grundstein zum Neustart der Serie legen. Montillon gibt offen zu kein Kenner der Promet-Reihe zu sein. Für einen routinierten Autor wie ihn stellt dies jedoch kein Hindernis dar. Ich denke eher, dass der Autor dadurch unbelastet an die Serie herangeht und auch durch fehlendes Hintergrundwissen frei neuinterpretieren kann. Die Handlung ist absolut klassisch für die damalige Zeit und wird auch in der neuen Serie nicht verfälscht oder mutwillig modernisiert. Die Menschheit trifft auf Außerirdische und nutzt deren Wissen und Technologie um der irdischen Raumfahrt einen Schub zu verpassen und letztendlich den Weltraum zu erobern. In diesem Fall in Gestalt des Moraners Arn Borul. Dessen Heimatplanet wurde von einer unbekannten fremden Macht in Form der schwarzen Raumer nahezu zerstört. Die Moraner werden in den Untergrund des Planeten gezwungen und sind vom Untergang bedroht. Hier kommt Arn Borul ins Spiel der mit seiner Crew und seinem Raumschiff die letzte Hoffnung der Moraner verkörpert. Er soll die ursprüngliche Heimat der Moraner zur Rettung seines Volkes aufsuchen. Diese Ursprungsheimat ist kein geringerer Planet als unsere Erde und somit landet Arn als letzter Überlebender der Mission auf der Erde, findet dort in seinen Rettern Freunde und versucht die Raumfahrt mit diesen soweit voranzutreiben um letztendlich zurück nach Moran zu gelangen um seine Welt und sein Volk zu retten. Wie schon gesagt, eine klassische Heftromanstory der Siebziger in neuem Gewand. Aber genau das macht diese kultige Serie wiederum interessant und lässt Nostalgiker in den guten alten Zeiten des Science-Fiction-Genres schwelgen. Wie schon die ursprüngliche Serie legt auch die Neuinterpretation keinen Wert auf große, epische Raumschlachten oder techniklastige Texte. Der Fokus liegt auf dem Abenteuer, der Erkundung fremder Welten und der Begegnung mit exotischen Spezies. Mit den stilistischen Mitteln mit denen Raumschiff Enterprise oder Raumschiff Orion damals die Science-Fiction im Fernsehen geprägt haben, ist auch Promet unterwegs. Doch die Einzelabenteuer reihen sich hier im Gegensatz dazu zu einer Gesamtstory aneinander.

Raumschiff Promet war und ist puristische Abenteuerliteratur im Weltraum. Wer also leicht aber auch gut und spannend unterhalten werden möchte, der liegt mit "Raumschiff Promet – Von Stern zu Stern" genau richtig!

 Blitz-Verlag

Donnerstag, 16. Mai 2019

Maddrax Band 504 - Evolution - von Ian Rolf Hill

Geschrieben von Ian Rolf Hill
Cover von Shutterstock
Erschienen am 14.05.2019

Eine faszinierende Vorstellung: Was wäre mit der Erde, ihrer Flora und Fauna geschehen, wenn damals, vor 65 Millionen Jahren, der "Große Zerstörer" nicht eingeschlagen wäre und das Ende der Dinosaurier herbeigeführt hätte? Wie wäre die Evolution dann verlaufen? Hätte sich der Mensch überhaupt entwickeln können? Fragen, denen sich Matt Drax und Aruula plötzlich stellen müssen, als ein Parallelwelt-Areal bei Yukatán, Mexiko auftaucht, in dem die Erdgeschichte seit Jahrmillionen völlig anders verlaufen ist...

Wenn eine Serie sich Genremix auf die Fahnen schreiben darf, dann Maddrax. Ich bin nach meinem Wiedereinstieg in die Serie total begeistert, wie vielfältig und abwechslungsreich der aktuelle Zyklus ab Band 500 startet. 

Nun erleben wir mit dem Beitrag von Ian Rolf Hill alias Florian Hilleberg das Auftauchen einer weiteren Parallelwelt mit der Maddrax und Aruula sich auseinandersetzen müssen.
Es geht um ein Areal aus einer möglichen Urzeit der Erde, in der kein Komet die Dinosaurier ausgelöscht hat. Somit konnte die Evolution eine andere Art von Leben weiterentwickeln. Die Primaten sind die untergeordnete Spezies geblieben und einige Echsenarten zur führenden Spezies geworden.

Schön untermauert wird das ganze Szenario mit eineinhalb Seiten Bericht über die Hintergründe der Entwicklung, über die sich der Autor Gedanken gemacht und sehr gut ausgearbeitet hat. Die Wissenschaft hat diese These durchaus auch auf dem Schirm, ist jedoch zwiegestalten. Eine Theorie besagt, das die Dinosaurier schon vor dem Einschlag des Kometen eine bedrohte und aussterbende Art gewesen sind und auch ohne große Katastrophe nur einige kleinere Echsen (wie die Krokodile) und Pflanzenfresser überlebt hätten. Dies wäre jedoch relativ  langweilig für die Handlung gewesen. Also wählt Rolf Hilleberg eine der anderen Theorien. Nämlich die der intelligenten Weiterentwicklung der Echsenarten. So taucht plötzlich im Bereich der Yucatán-Halbinsel im ehemaligen Mexiko, der vermuteten Einschlagstelle des Kometen vor 65 Millionen Jahren, die besagte Parallelwelt auf und überrascht die dortigen Bewohner mit einem Szenario à la Jurrasic-Park. Da tauchen zunächst Flugechsen auf, die Aruula und Matt bereits das Unheil ankündigen. Tyrannosaurier greifen an. Aber auch die schon besagte intelligente, an Daamuren erinnernde Spezies. Einer von ihnen ist Ydiel der Szousss und er stellt sich wie unsere Helden die Frage, was mit seiner Umgebung passiert ist. Es kommt in einer fesselnden Handlung letztendlich zur Konfrontation der Sauroiden mit den Ex-Technos des postapokalyptischen Yucatán. Matt und Aruula geraten bei einem Schlichtungsversuch und ihren Nachforschungen zwischen die Fronten.

Ich bin besonders gespannt, warum und wodurch die wuchernde Begrenzung der Areale ausgelöst wird und was es insgesamt mit den Phänomenen auf sich hat. „Leider“ handelt es sich beim aktuellen und kommenden Band um einen Zweiteiler und der Roman endet in einem Cliffhanger. Bis zu diesem gestaltet sich der Roman aber als echter Pageturner, den ich nicht aus den Händen legen konnte. Ein Szenario und Charaktere die riesig Spaß machen und ein für meinen Geschmack durchdachtes Setting, dass mich fasziniert hat und bei dem ich unbedingt mehr über die Hintergründe erfahren wollte. Es werden wieder zwei lange Wochen bis zur Fortsetzung…