Mittwoch, 5. Juni 2019

Perry Rhodan - Schwarze Saat - von Michael Marcus Thurner

Über das Volk der Onryonen ist nicht viel bekannt, da sie auf weit verstreuten Dunkelwelten leben, wo sie vor dem Zugriff Fremder geschützt sind. Doch nun wollen die Onryonen des Planeten Jolyona die Beziehungen zur Erde verbessern, und Perry Rhodan übernimmt die Verhandlungen. Auf der Dunkelwelt haben sich noch andere, seltsame Lebensformen entwickelt, die in den Tiefen des Planeten existieren. Es stellt sich heraus, dass es jahrzehntausende alte Verbindungen zur Erde gibt, und Perry Rhodan stößt auf eine Gefahr, die er selbst vor langer Zeit durch eine Zeitreise ausgelöst hat …

Seit Andreas Eschbach in Band 2700 der Hauptserie „Der Techno-Mond“ die Onryonen zum ersten mal in Erscheinung treten lies, hat mich dieses Volk fasziniert. Zunächst war wie so oft nicht klar wie die neuen „Invasoren“ einzuordnen sind. Auch mit ihren vorbeugenden Maßnahmen um den Weltenbrand zu verhindern haben sie sich zunächst keine Freunde unter den Terranern gemacht. Anfangs schauten die Onryonen ähnlich wie seinerzeit die Laren auf die Menschheit als niederes Volk herab. Einfach war das Verhältnis zwischen beiden Völkern nie. Dies ist auch das Grundthema des Romans „Schwarze Saat“ von Michael Marcus Thurner. Es ist der erste Band der Dunkelwelten-Trilogie mit der endlich einmal wieder umfangreichere Romane im Taschenbuchformat aus dem Perryversum erscheinen. Viele dieser „Spin-Off-Serien“ sind in der Vergangenheit bereits erschienen. In der Regel handelte es sich um sechs Bände mit einer fortlaufenden Geschichte aus den unerzählten Handlungsjahren der Hauptserie. Ausnahme war die Taschenbuchreihe PHAN-TAU-RA. Auch bei dieser handelte es sich „nur“ wie bei der Dunkelwelten-Reihe um eine Trilogie. Alle diese Taschenbücher erzählten eine durchgehende Story. Bei den aktuellen Bänden ist dies scheinbar ein wenig anders. Die drei Bände sind eher eigenständig und nur durch einen eher losen roten Faden in der Hintergrundstory verbunden. Und sie erscheinen wie schon die beiden letzten Einzelbände „Die falsche Welt“ und „Trivid“ nicht bei Heyne, sondern bei Bastei-Lübbe.

Der erste Band hat mich gleich gepackt. Perry Rhodan begibt sich auf diplomatische Mission zur Dunkelwelt Jolyona. Unterstützt wird er dabei erfreulicherweise von Homer G. Adams, der ansonsten  ja selten bis gar nicht in den Romanen zum aktiven Einsatz kommt. Beide müssen zwischen Onryonen und Terranern vermitteln, die zusammen auf der Dunkelwelt leben. Die jugendlichen Terraner Casper und Gio werden des Mordes angeklagt. So beginnt der Roman zunächst als diplomatische Mission und erinnert im ersten Moment an einen Space-Thriller. Rhodan erkennt Ungereimtheiten und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. In deren Verlauf begegnet er der onryonischen Archäologin Mohaway Obe. Diese zeichnet Michael Markus Thurner so schön bissig und exzentrisch, dass es eine wahre Freude ist. Sie war ein Highlight-Charakter für mich. Auf seinem weiteren Weg gelangt Perry mit seinem onryonischen Begleiter und Anuupi Hüter-Anwärter Kahoyte in eine gefährliche Lage als sie bei einem Anschlag von extremistischen Onryonen auf einer Großveranstaltung in den Ruinen einer Arena in ein unterirdisches Höhlensystem einbrechen und verschollen gehen. Von der Oberfläche aus versucht Adams seinen alten Weggefährten wiederzufinden. Homer G. Adams wird in diesem Roman mit seiner nicht einfachen Beziehung zu Theresa Gooden einmal von einer völlig anderen und privaten Seite gezeigt.

Auch die Anuupi fand ich auch von Beginn an total faszinierend. Ihre exotische Daseinsform und die Symbiose mit den Onryonen werden im vorliegenden Roman etwas intensiver „beleuchtet“ als es in der Hauptserie bisher erfolgt ist. Ebenso kann der Autor die Kultur der Onryonen etwas tiefer zeichnen. Mir fällt auf, dass die Autoren in den letzten Perry Rhodan Romanen häufiger auf Perrys Vergangenheit vor der Mondlandung eingehen, seit Eschbach mit seinem Roman diese Zeit mit Inhalten gefüllt hat. Die Verweise machen Spaß und ich finde dies gut.  

Achtung jetzt folgen Spoiler! Bitte im nächsten Abschnitt weiterlesen, wenn ihr den Roman noch nicht gelesen habt und euch die Spannung erhalten möchtet. Im weiteren Verlauf geht es faszinierend  weiter und es werden mal wieder viele interessante Handlungsfäden aus der Hauptserie geschickt aufgenommen und neu verwoben. Perry hat mit seiner Zeitreise und der Begegnung mit den Kerouten auf der urzeitlichen Erde die aktuelle Situation auf Jolyona und den Dunkelwelten erst ausgelöst. Die Urbewohner der Erde haben auf der Flucht vor den Tiuphoren das ganze Programm und das holographische Abbild des Kerouten Manoulsi ins Leben gerufen. Das Perry Meister des jungen Kahoyte wird als Obanundi stirbt, und die daraus entstehenden Konflikte und Spannungen zwischen den beiden waren interessant. Die weiteren Erlebnisse und Interaktionen im Dreiergespann, als die Onryonin Cyndenno dazukam, fand ich einfach großartig. Zuletzt noch erwähnenswert finde ich den heimlichen Hauptakteur der Geschichte: den Anuupi Dualles, der mir während des Romans sehr ans Herz gewachsen ist.

Dieses Buch hat mich total begeistert und war für mich einer der besten Beiträge zum Perryversum seit sehr langer Zeit. Kurzweilig, spannend und mit seiner gewohnten Prise Ironie und Humor legt Michael Markus Thurner die Messlatte für die kommenden Bände der Reihe sehr hoch. Mit Robert Corvus und Madeleine Puljic mache ich mir da aber sehr große Hoffnung, dass dieses Niveau gehalten werden kann.

Verlag: Bastei Lübbe
Autor: Michael Marcus Thurner
ISBN/EAN: 9783404209422
Sprache: Deutsch
Umfang: 400 Seiten
Taschenbuch
Erschienen am 29.04.2019

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